Alt-Horb. Eine historische Stadt-Führung von Josef Klink
Ein Rundgang durch die Altstadt von Horb am Neckar, aufgeschrieben um 1980 von Josef Klink. Dreißig Kapitel über Stadttore, Türme, Kirchen, Klöster, Gasthäuser und Grabsteine, dazu vierundzwanzig eigene Zeichnungen. Der vollständige Text der damaligen Veröffentlichung, dazu das Heft als PDF.
Josef Klink, Horb am Neckar, um 1980
Josef Klink war der Sohn des Bildhauers und Heimatforschers Wilhelm Klink und der Vater des Bildhauers Albrecht Klink. Er verfasste diese illustrierte Schrift, als Horb sein 750-jähriges Bestehen beging. Sie führt zu Fuß durch die Altstadt, von den Christophorusbrücken über den Marktplatz und die Hirschgasse bis hinauf zum Schütteturm.
Der Reiz der Schrift liegt darin, dass sie beides zeigt: was noch steht und was verschwunden ist. Fast alle Horber Stadttore sind im 19. Jahrhundert abgebrochen worden. Wie sie ausgesehen haben, wissen wir heute wesentlich aus den Aufzeichnungen und Rekonstruktionszeichnungen von Wilhelm Klink. Josef Klink hat diese Vorlagen für das Heft neu gezeichnet. Am Ende der Schrift steht statt eines Quellenverzeichnisses ein Dank an den Vater.
Das gedruckte Heft als PDF, mit allen Seiten und Zeichnungen im Original-Umbruch.
Alt-Horb, eine historische Stadt-Führung, PDFDazu die englische Fassung, neu gesetzt, mit allen dreißig Kapiteln und allen vierundzwanzig Zeichnungen.
Alt-Horb, a historical tour of the town, PDFInhalt
- Vorwort
- Einladung
- Gesamtbild
- Geschichtlicher Rückblick
- Stuben'sche Schlößle
- Das Ihlinger Tor
- Heimathaus Hoher Giebel
- Ehemalige Synagoge
- Die Stadtmauer
- Gutleuthaus
- Nordstetter Tor und Wassertor
- Horber Bildhauerschule
- Steinbau am Aischbach
- Glockengießerei
- Mühlener Tor
- Die Hirschgasse
- Burg Herrenberg (Liebfrauenkirche)
- Alte Grabsteine
- Geschichte des Spitals
- Die Johanneskirche
- Gastwirtschaften
- Altes Reichsgut
- Schloß Hohenberg
- Stiftskirche Heilig Kreuz
- Der Kirchenschatz
- Die Horber Madonna
- Dominikanerkloster
- Franziskanerinnen-Kloster
- Der Schütteturm
- Quellen-Nachweis

„Was Du ererbst von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!“
Vorwort
Die obige altbekannte Mahnung mag wohl ein Beweggrund gewesen sein, die „Vorstellung“ der nunmehr 750 Jahre alten Stadt Horb im Hinblick auf die reiche Tradition und Geschichte zu veranlassen.
Vieles, was schon von Vergessenheit bedroht war, sollte hier noch einmal zusammengefaßt werden.
Was wir „ererbt“, möge auf diese Weise in unser Bewußtsein dringen, damit wir es „besitzen“.
Denen aber, die in einer von Heimatlosigkeit geprägten Zeit, den Evakuierten, Umgesiedelten, Rückgeführten, Verlagerten und Flüchtlingen, die hier Arbeitsplatz und Wohnung gefunden haben, möge diese illustrierte Schrift mithelfen, hier in Horb eine Heimat zu finden.
Einladung
Diese illustrierte Schrift hat die Aufgabe, auf die noch vorhandenen Sehenswürdigkeiten der reizenden Altstadt Horb mit besonderer Deutlichkeit hinzuweisen. Gleichzeitig sollen die leider schon abgegangenen Baulichkeiten in Erinnerung gebracht werden. Getreu dem Grundsatz, was man nicht kennt, das schätzt man nicht, mögen durch diese Schrift die Horber Bürger ihre Stadt mehr kennen und lieben lernen. Denen aber, die der Fremdenverkehr zu uns bringt, können diese Erläuterungen dazu verhelfen, daß aus den Gästen Freunde werden. Ganz sicher rentiert es sich, mit einem so imposanten Städtchen, wie Horb, näher bekannt und vertraut zu werden. Um nicht in den Verdacht des Selbstlobes für seine Heimatstadt zu geraten, sei es gestattet, den vielbereisten landschaftlichen Feinschmecker, den Volksschriftsteller aus dem Kinzigtal, Heinrich Hansjakob, zu Wort kommen zu lassen. Um die letzte Jahrhundertwende schreibt er in seinem Buch „Verlassene Wege“: „... und ich bekenne, daß dieses schwäbische Städtchen zweifellos das schönste und reizvollste ist unter all den vielen Städtchen des Gesamtschwarzwaldes. Was sein Bild so reizvoll macht, ist nicht bloß seine Lage auf einem langgestreckten Bergrücken und in dem Einschnitt zweier Täler, sondern auch die vielen Türme und Tore, die malerisch zerstreut auf der Höhe liegen.“ Mit solchem Lob ausgestattet, kann Horb zu seiner angestammten Bescheidenheit geruhsam etwas Selbstbewußtsein hinzufügen und zur vorgesehenen historischen Stadtführung recht herzlich einladen.

Gesamtbild
Horb hat tausend Gesichter. Auf Schritt und Tritt bieten sich dem aufmerksamen Betrachter immer wieder völlig neue reizvolle Motive. Vom rechten Neckarufer aus, etwa bei den Christophorusbrücken, baut sich die ganze Szenerie recht einfach und doch so folgerichtig vor uns auf: Ganz zuoberst das Wahrzeichen der Stadt, der alte Schütteturm (1422) mit der St. Ottilienkapelle; am Fuße des Berges der Schurkenturm mit den Resten der Burg Hohenberg und der Stiftskirche zwischen den ehemaligen Klöstern. Es ist besonders charakteristisch für dieses Panorama, wie sich die beiden Kaplaneihäuser traulich an den Fuß der Kirche anschmiegen. Weiter geht das Bild über malerisch wechselnde Giebel hinab zum Turm der Liebfrauenkirche und zu der neugotischen evangelischen Johanneskirche im Hintergrund. Oben auf dem Kreuzkapellenberg vermißt man geradezu als Abschluß und Gegenstück zum Schütteturm eine mächtige Linde, die vor wenigen Jahren gefällt werden mußte. Die hl. Kreuzkapelle, die hier stand, ist 1806 sinnlos abgebrochen worden. Überdies darf man drei Katastrophen, die das äußere Stadtbild wesentlich beeinflußten, nicht außer acht lassen.
1. Der große Stadtbrand vom 17. Jan. 1725, dem 201 Häuser zum Opfer fielen,
2. die Zeit des Josephinischen Klostersturmes und der Säkularisation, als die reizvollen Horber Klöster ihrem stiftungsmäßigen Zweck entzogen und mehrere Kapellen geschlossen oder abgebrochen wurden,
3. das Jahr 1836, in welchem auf Anordnung des damaligen Oberamtsmanns Dilenius 5 Stadttore abgebrochen wurden, um die Straßen „übersichtlicher“ zu machen.


Geschichtlicher Rückblick
Unbekannte aber gewaltige Naturvorgänge waren notwendig, bis hier menschliche Siedlungen möglich wurden. In grauer Vorzeit befand sich die europäische Wasserscheide etwa beim Haugenloch. Der Grabenbach, sowie die Wasser von Schwenningen her, strebten der Donau zu, ins Schwarze Meer; während der Neckar erst zwischen Cannstatt und Besigheim seinen Ursprung hatte. Oben am Haugenloch, dort wo das Wild zur Tränke hinunterstieg, darf zurecht ein mittelsteinzeitliches Lager für Rentierjäger vermutet werden. Ganz in dieser Nähe wurde Anfang der 30er Jahre beim Bau der Eugen-Bolz-Straße, heute Stuttgarter Straße (B 14), ein guterhaltener Mammutschädel mit prächtigen Stoßzähnen ausgegraben.
Von der römischen Besatzungsmacht fanden sich auf der Schütte, wo ein ehemaliges römisches Kastell vermutet wird, einige Geldmünzen und ein „Januskopf“. Hinter dem Kugler, wo 1964 die Spitalökonomie aus der Stadtmitte heraus verlagert wurde, soll sich ein römischer Gutshof befunden haben. Erst, als 260 n. Chr. die Alemannen die römische Grenzbefestigung, den Limes, durchbrochen und die Römer bis an die Alpen vertrieben hatten, kehrte etwas Ruhe ein.
Unsere Stammesväter hatten bei der Besetzung des Neckarlandes alles vordem Gewesene vernichtet. Nun stand der Besiedelung der 436 m hohen Bergnase zwischen dem Neckartal und dem Tälchen des Grabenbaches nicht mehr viel im Wege. (Wann entstand Horb?) 1083 wird Horb als Horewa erstmals genannt, 1101 Horw, 1138 Horowa (vom lateinischen Herba = Korn) 1363 Horwe, um 1430 Horuw (Wasserburg Hornau = sumpfige Au), 1523 Horw, 1524 Horb und 1935 Horb am Neckar. Orte, wie Ihlingen und Empfingen sind Herrensitze, wie die Weitenburg, Frundeck, Urnburg, die Burg im Eutinger Tal und die im Isenburger Tal. Sie standen schon, ehe sich Ritter und Edle der Pfalzgrafen von Tübingen, (wahrscheinlich aus Ihlingen) daranmachten, in dem sumpfigen Tal, das Wasserschloß Hornau zu erbauen.
Wenn wir, die wir ja noch immer am rechten Neckarufer die Stadt betrachten, auf der Stelle kehrt machen, dann liegt der Platz, auf dem die stattliche Wasserburg Hornau gestanden hat, genau vor uns. Er entspricht etwa der heutigen Bahnhofanlage. Bauzeit und Bauherr der Burg sind unbekannt geblieben, jedoch vermitteln uns Rekonstruktionszeichnungen und ein großes Modell des Wasserschlosses, das W. Klink 1929 zum 700jährigen Stadtjubiläum geschaffen hat (heute im Heimatmuseum), ein klares Bild von ihr.
1508 wird die Hornau als Besitz eines Jörg von Schwarzach erstmals urkundlich genannt. Als weiterer Besitzer sind in erster Linie die Herren von Ow, ferner die von Liesch und von Gerber zu nennen. In der Südwestecke der Liebfrauenkapelle steht heute noch der Grabstein des Hans-Jakob von Liesch zu Hornau, der 1606 als Obervogt und Schloßherr der Hornau gestorben ist. Sein Renaissance-Grabstein zeigt ihn lebensgroß in voller Ritterrüstung. Ein Sohn der Familie von Gerber, der Fürst-Bischof zu St. Blasien, Martin Gerbert von Hornau 1720 - 1793, gilt heute noch als bedeutendster Horber.
Später ging die Burg wieder an die von Liesch zurück. Im 30jährigen Krieg verschuldete die Burg immer mehr durch übertriebene Kontributionsforderungen an die Besitzer, so daß die Hornau 1660 an die Stadt verkauft wurde. Obwohl Horb das Wasserschloß 1664 abbrechen ließ, hatten die Stadtväter noch bis 1707 weitere Abgaben an die Franzosen zu entrichten. Das Burgkirchlein, dem hl. Erhard geweiht, wurde jedoch erst 1810 abgebrochen. Beim Bahnbau 1866 verschwanden die letzten Grundmauern unter der Erdoberfläche.

Beim Erweiterungsbau des Personenbahnhofs 1928 traten noch einmal einige Fundamente und Grundmauern kurz ans Tageslicht. Gerade rechtzeitig, um das große Hornaumodell für das Stadtjubiläum möglichst wirklichkeitsgetreu zu rekonstruieren.
Noch im Jahre 1952, bei der damaligen Neckarkorrektion stieß man auf alte eichene Brückenpfeiler, die einst den überdachten Holzsteg zwischen Gaistor und dem Wasserschloß getragen hatten. Über diesen Steg hatten früher die Horber ihre Geißen (Ziegen) auf die Weide geführt.
Um es vorweg zu sagen, Horb entwickelte sich von unten nach oben, also von der Wasserburg Hornau über die Burg Herrenberg (später Franziskanerkloster, heute Krankenhaus) zur Burg Hohenberg beim Schurkenturm. Alle drei Burgen entstanden auf Initiative pfalzgräfischer Dienstherren. Diese Entwicklungstendenz von unten nach oben, hat die Stadt bis heute beibehalten. Jetzt sind Schütte, Kugler und Kreuzkapellenberg, einst herrliche Freizeitparadiese der Horber Jugend, längst bis auf einige winzige Naturschutzgebiete überbaut.
Historischer Spaziergang. Die elegante Eisenbetonbrücke, auf der wir den Neckar überqueren, stammt aus den 60er Jahren. Sie löste eine 1904 im wilhelminischen Stil erbaute Eisenkonstruktion ab. Deren Vorgängerin wiederum hatte noch das Nordstetter Tor gesehen. Einige hundert Meter flußabwärts überspannt eine ähnliche, aber kräftigere Spannbetonbrücke den Neckar für die Bahn. Diese ersetzte 1959 eine große kriegszerstörte Eisenkonstruktion.
Bevor wir nach links in die Schillerstraße einbiegen, noch schnell ein Blick nach rechts zum Elektrizitätswerk. Vor rund 30 Jahren befand sich auf diesem völlig überbauten Platz das ausgedehnte Holzsägewerk Richard Raible. In westlicher Richtung mündet die Schillerstraße in den Schillerplatz, den die alten Horber noch heute viel lieber und sinnvoller als „Flößerwasen“ bezeichnen. Hier banden die Flößer die Flöße oder machten hier ihre erste Rast vor der langen Wasserfahrt vom Schwarzwald bis Heilbronn oder gar nach Holland, um im „Flößerstüble“, im „Hotel Bären“, einzukehren. 1897 passierte das letzte Floß die Stadt. Seitdem verschwand ein Stück alter Romantik und das traute Flößerkommando „Jockele sperr“, verstummte für immer. Schon auf der Brücke beim Hochwasserabschluß wird unser Blick unwillkürlich von einem wuchtigen Fachwerkgiebel gefangen.
Stuben'sche Schlößle
Das Stuben'sche Schlößle steht mit seinen starken Grundmauern direkt im Wasser, wie auch die alte Stadtmauer, auf der die Westseite des Hauses ruht. Auf dem äußersten Ende der Stadtmauer, das aus der Giebelwand herausragt, steht eine lebensgroße St.-Nepomuk-Statue, die noch vom alten Barockaltar der Stiftskirche stammt. Ein Blick in den malerischen Innenhof des Schlößchens mit Ecktürmchen und Arkadenumgang, lohnt sich in jedem Fall. 1706 kauften die Freiherren von Stuben das stattliche Haus und bauten es zu einem, fast italienisch anmutenden Schlößchen aus. Die dazugehörigen Gärten umgaben sie mit einer starken Mauer, die entlang der Froschgasse bis zum Gaistor führt. Durch Heirat kam es schon 1725 an die Herren von Barilli. Über dem Eingangsportal kündet heute noch eine eingemauerte Ofenplatte mit dem Allianzwappen Barilli-Stuben davon. Nach weiteren Besitzern, wie Freiherr v. Bach, die Familie Gessler und dem Horber Original Schertlin, kauften die Meintel-Schüler Peter Paul Hausch und Johann Bayer das Stuben'sche Schlößchen und richteten hier eine Altarbauerei ein. Später ging das ganze Anwesen, samt dem Luziferturm - oft auch inneres Ihlinger Tor genannt - in den Besitz der Familie Hausch über.
Das Ihlinger Tor
Das Ihlinger Tor (Luziferturm) mit seinen Buckelquadern und Schießscharten überspannt mit einem kräftigen Spitzbogentor die Ihlinger Straße. Die Stadtmauer von hier bis zur ehemaligen Burg Hohenberg hinauf, ist teilweise noch vorhanden. Ursprünglich trug auch dieser Turm statt seinem jetzigen Zeltdach einen Fachwerkstock unter einem Satteldach. Der daran angebaute Holzbau, eine Scheune des Chorherrenstiftes aus dem Jahre 1769 und das Gasthaus zum „Schwanen“, ebenfalls ein schöner Fachwerkgiebel, vollenden diese malerische Partie zu einem bevorzugten Motiv für Zeichner, Maler und Fotografen.
Heimathaus Hoher Giebel
Das anschließende und alles überragende Heimathaus „Hoher Giebel“ ist eine besondere Sehenswürdigkeit der Stadt mit eigener Geschichte. Ursprünglich gehörte dieser prächtige Holzbau den Herren von Ow, später denen von Garb. Dieses schöne Haus, das 1725 dem großen Stadtbrand standgehalten hat, mußte 1894 beim Brand der „oberen Mühle“, nochmals eine Feuersnot überstehen. Bei der damals notwendig gewordenen Restauration mußten leider die daran befindlichen Gemälde, oben St. Georg mit dem Drachen, unten auf der Sockelmauer Überreste einer Ansicht des Neckartales mit der Jahreszahl 1622, verschwinden. Auch im Innern bietet der Bau so recht das Bild eines alten Patrizier-Hauses aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg. Wenn man die mächtigen kunstreich gefügten Balken und Stützen betrachtet, überkommt uns unwillkürlich ein Gefühl der Bewunderung für die alten Horber Zimmerleute, die mit feinem Verständnis für ihr Material solch sinnreich und behäbig aussehende Gefüge zuwege brachten. Unter dem Mißstand, gleichzeitig mehrere Besitzer zu haben, hat das Haus lange Zeit sehr gelitten; Kriegseinwirkungen brachten es bis zu einer bedrohlichen Baufälligkeit. Um dieses wahrhaft schutzwürdige Gebäude zu retten, kaufte die Stadt 1951 unter dem Bürgermeister Karl Gramlich, trotz einiger Gegenstimmen, das Haus. Unter Bürgermeister Karl Haegele und der vorzüglichen Bauleitung von Stadtbaumeister Albert Winter, entstand 1955 aus der Hausruine das heutige Kulturzentrum „Hoher Giebel“. Mit dieser Meisterleistung haben sich Bürgermeister und Stadtbaumeister zugleich ein lebendiges Denkmal gesetzt.

Seit der Zeit beherbergt der „Hohe Giebel“ auch das Heimatmuseum der Stadt, eine Sehenswürdigkeit von besonderer Bedeutung. Dieses Museum ist aus der ehemaligen Altertumssammlung hervorgegangen. Deren erster „Ausstellungsraum“ befand sich gegenüber, im Ecktürmchen des Stuben'schen Schlößchens. Der Altertumsverein Horb ist am 22. Aug. 1894 gegründet worden.
Ehemalige Synagoge
Nach wenigen Schritten stadtauswärts, mündet die Froschgasse in die Ihlinger Straße. Hier in diesem prächtigen Eckhaus befand sich lange Zeit die Synagoge. Über die Juden in Horb schrieb der Chronist zur „Woche der Brüderlichkeit“ 1976 in der Horber Zeitung: „Mit einiger Sicherheit darf man annehmen, daß es schon 1350 in Horb Juden gegeben hat. Als in Horb eine Pest ausgebrochen war, sollen sie der Brunnenvergiftung verdächtigt worden sein. Die hiesigen Juden wurden daraufhin verfolgt, verjagt oder gar umgebracht. Der Flurname „Judengrube“, soll heute noch daran erinnern. Bis 1431 muß es in Horb, wenigstens nach der Stadtordnung, wieder Juden gegeben haben. Wahrscheinlich wurden sie zu diesem Zeitpunkt, wie auch in anderen Städten, wieder vertrieben. Erst 1805 durften sie in das württembergisch gewordene Horb zurückkehren. 1864 waren 4 Juden ansässig. Nach dem Bahnbau zogen mehrere Juden aus den umliegenden ritterschaftlichen Dörfern, wie z. B. Nordstetten, Mühlen, Rexingen und Baisingen, dem Eisenbahnknotenpunkt Horb zu. So waren es 1900 - 134, 1910 - 135, 1928 - 109 Juden. Nach dem ersten Weltkrieg von 1918 an, wanderten junge jüdische Bürger in die größeren Städte ab, wo sie bessere Verdienstmöglichkeit suchten und auch fanden. 1933 waren noch 100 Juden in Horb, 1936 - 86, und 1937 - 69. Obwohl das Zusammenleben zwischen Nichtjuden und Juden auch in Horb all die Jahre hindurch völlig normal und harmonisch verlief, blieb ihnen von den schrecklichen Repressalien des nationalsozialistischen Rassenhasses nichts erspart. Die so in bittere Not geratenen Juden wurden vielfach aber heimlich von mutigen und opferbereiten Horbern unterstützt. Während des zweiten Weltkrieges hatten die Nazis alle im Kreis noch erreichbaren Juden nach Rexingen gebracht, von wo sie am 28. Nov. 1941 morgens um 4 Uhr nach Theresienstadt zur Vergasung abtransportiert wurden. Nur einige wenige konnten dieses furchtbare Schicksal umgehen, indem sie von besonders tapferen und selbstlosen Mitmenschen verborgen gehalten wurden, die bis 1945 die karge Lebensmittelration und die andauernde Lebensgefahr mit ihnen teilten. Am Ende der Froschgasse steht das 1623 erbaute und in den 50er Jahren fast zu kräftig restaurierte Gaistor. Vor dem Erneuerungsbau des Fachwerkoberteils, als dieses noch vom alten Zimmermann Brecht und einigen Eulen bewohnt wurde, war die ganze Ecke noch viel malerischer und galt als eine der schönsten Idylle der Stadt.

Die Stadtmauer
Wie ein durchlaufender Mauerrest heute noch zeigt, verlief die Stadtmauer vom Gaistor in Nordrichtung quer über die Talsohle bis zum Äußeren Ihlinger Tor. Auf dieser Strecke war die Mauer außer dem Wehrgang auch noch mit Wall und Graben versehen. Das Tor hier hatte kein Vortor und das Torwärterhäuschen, das sich dicht an die Südseite des Turmes anschmiegte, wurde von der Stadtmauer ganz umschlossen. Der Torturm selbst war, ähnlich wie die andern, mit einem Holzaufbau und Satteldach versehen. Große Teile der Stadtmauer sind noch erhalten, die von hier aus etwa 50 m zu einem Rundturm hochführte und von dort aus den Berghang entlang die Burg Hohenberg erreichte. Dieser letzte Befestigungsabschnitt der Stadt wurde erst im 17. Jahrhundert zum Schutz der zahlreichen Neubürger errichtet. Der Torturm fiel 1836 der dilenischen (so genannt nach Oberamtmann Dilenius) Abbruchaktion zum Opfer. Nach einer kleinen Notiz ist am 5. Mai 1855 auch das ehemalige Torhäusle wegen Anlegung der neuen Straße durch das Neckartal abgebrochen worden. Heute mag man sich fragen, wozu überhaupt solch aufwendige Stadtbefestigungen. Sie haben sich gegen kriegerische Nachbarstädte, gegen Herzogtümer und Grafschaften sehr gut bewährt. In der Geschichte Horbs ist kein Fall bekannt, bei dem Mauern und Türme nicht standgehalten hätten. Auch 1525 konnte die Stadt so lange gegen große Haufen aufständischer Bauern trutzen, bis diese unverrichteter Dinge wieder abzogen. Um ihre Wut zu kühlen, zogen sie ins nahe Isenburger Tal, erstürmten dort die Feste und brannten sie nieder. Insbesondere während der unruhigen Zeiten und der Nachkriegszeit des 30jährigen Krieges, bot das wohlbefestigte Horb auch vielen aus der ganzen Umgebung Schirm und Schutz gegen Marodeure und Diebesbanden. Bis ins 19. Jahrhundert hat Horb des Nachts seine Tore geschlossen gehalten.

Gutleuthaus
Bevor wir uns wieder stadteinwärts wenden, sei noch kurz an das Gutleuthaus erinnert. Draußen an der Ecke Ihlinger Straße - Tauchsteinweg stand einst das Leprosenhaus der Stadt. 1348 erstmals genannt, wurde es 1350 bei der großen Pest, wie auch bei den späteren Pest-Epidemien im 15. und 16. Jahrhundert, dringend gebraucht. Jedoch ist nichts vom Leid dieser „Aussätzigen“ überliefert, und niemand berichtet von der heldenhaften Nächstenliebe der Krankenschwestern, die freiwillig das schwere Los dieser Kranken teilten. Am 2. April 1882 wurde das Siechenhaus durch Blitzschlag eingeäschert und nicht wieder aufgebaut. Die dazugehörige Kapelle blieb vom Feuer verschont. In einem Dokument des Spitalarchivs wird eine Pfründe für die Kapelle „St. Cathrinae et Nicolai bei den Siechen zu Horb (Gutleuthaus, Kapelle dabei)“ genannt.
Nach der Säkularisation wurde das Kirchle zu einem Försterhaus umgebaut; es ist heute als Wohnhaus genutzt.
Während des Rückweges zum Ihlinger Tor (Luziferturm) bietet die Altstadt eine ihrer fotogensten Seiten. In der Neckarstraße kommen wir wieder am Gasthaus „zum Bären“ vorbei, dessen Rückseite wir schon vom Flößerwasen aus kennengelernt haben. Hier befand sich vom 13. bis 17. Jahrhundert ein Franziskanerinnenkloster, das seiner Lage nach, die untere Sammlung genannt wurde. Am 1. September 1580 wurde sie mit vier Schwestern unter der Oberin Anna Herzogin der Tiroler Ordensprovinz einverleibt. Im 30jährigen Krieg, als die Klöster allgemein schweren Belastungen ausgesetzt waren, ist das Eutinger Frauenklösterlein 1637 mit der unteren Sammlung zusammengelegt worden. Diese wiederum wurde wenige Jahre später mit der mittleren Sammlung vereinigt. Ab 1642 gab es in Horb also nur noch ein Franziskanerinnenkloster.
Nordstetter Tor und Wassertor
Unweit des „Bärens“, an der Wilhelmstraße stand das malerische Nordstetter Tor, das 1836 abgebrochen wurde. Wir müssen uns deshalb mit einer Rekonstruktions-Skizze begnügen, die Altmeister W. Klink 1911 nach einem alten Stadtplan und aufgrund Kaltenmoser'schen Zeichnungen hergestellt hat. Auch das Torhäusle auf der südlichen Seite der inneren Neckarbrücke ist verschwunden. Wie das Bild heute noch zeigt, mag alles zusammen mit der überragenden Linde ein stimmungsvolles Bild echt schwäbischen Charakters gewesen sein. Etliche Meter kanalabwärts, in der Partie „Klein-Venedig“, steht das Wassertor. Es wird von den Horbern oft fälschlicherweise mit dem Nordstetter Tor verwechselt und hat sein Äußeres bis auf den heutigen Tag erhalten, lediglich an der Südseite unterhalb der netten Bildnische mit der Kreuzigungsgruppe ist bei der letzten Renovierung aus dem österreichischen Wappen versehentlich ein Württemberger-Schild gemacht worden. Das Wassertor, das schon im 14. Jahrhundert erbaut wurde, hatte zu Württemberg keine Beziehungen. Durch dieses Tor führte früher eine Furt durch den Mühlekanal, in den hier auch der Aischbach einmündet. Unweit vom Wassertor, etwa gegenüber dem großen Fruchtkastengebäude, stand in der Frühgeschichte der Stadt schon einmal ein Stadttor, dessen Name längst in Vergessenheit geraten ist. Als ums Jahr 1925 an dieser Stelle für das Hotel „Kaiser“ die erste Benzintankstelle in Horb gebaut wurde, stieß man auf alte Fundamente, die mit großer Wahrscheinlichkeit von jenem Torturm herrührten. Die Stadtmauer, die von hier aus sich zur Burg Herrenberg hinaufzog, war z. Zt. der Bauarbeiten des „Kaiserprojekts“ besonders gut zu erkennen.

Horber Bildhauerschule
Ostwärts dieser Mauer befand sich einst die Heimstätte der Horber Bildhauerschulen des 19. und 20. Jahrhunderts. Selbstverständlich hat es in Horb auch schon früher, insbesondere während der Blütezeit der Stadt bis zum 30jährigen Krieg, beachtliche Bildhauer und Maler gegeben. Immer mehr Historiker stimmen darin überein, daß sogar der große deutsche Bildhauer des Mittelalters, Veit Stoß, ein gebürtiger Horber war. Die hiesigen Pfarrbücher künden über eine lange Namensreihe Horber Bildhauer und Maler. Leider fehlt eben diese Seite, auf der die Geburt von Veit Stoß eingetragen sein müßte. Nach dem großen Stadtbrand hatte die Bildhauerfamilie Geiger in Schömberg für die neuerbaute Klosterkirche der Dominikanerinnen drei Barockaltäre zu liefern. Dabei gefiel es diesen Kunstjüngern in Horb offenbar sehr gut, daß sie kurzerhand hierblieben; und dies, obwohl die Bildhauer-Dynastie Geiger in Schömberg über 5 Generationen angedauert hatte. 1808 starb der letzte Bildhauer Hilarius Geiger hier in Horb. Wie es schien, war zu jener Zeit der Markt für die Kunstrichtung Barock und Rokoko gesättigt und die Bildhauer in unserer Gegend starben aus. Als dann der romanische und gleichzeitig der gotische Kunststil wieder zu Ehren kamen, wurden plötzlich wieder Bildhauer gebraucht.

Johann Nepomuk Meintel war einer der ersten jener Zeit. Meintel, ein ferner Nachkomme eines Verwaltungsbeamten, den das Kloster Muri in der Schweiz einst in seine damaligen Besitzungen nach Dießen geschickt hatte, wurde dort geboren. Nach gründlicher Ausbildung an der Kunstakademie in München, zog Meintel nach Horb und gründete hier an dieser Stelle 1840 eine Bildhauerschule. In verhältnismäßig kurzer Zeit bildete er einen tüchtigen Nachwuchs heran, so daß er vielen Aufträgen aus dem ganzen Lande und darüber hinaus gerecht werden konnte. Der Meintel'sche Betrieb beschäftigte zeitweise bis zu 30 Gehilfen und Lehrlinge. Manche davon machten beachtliche Karriere, so der aus Rexingen gebürtige Bildhauer Schneiderhan, der es in den USA zu großem Erfolg brachte; ferner Prof. Johann Koch aus Weilen u. d. Rinnen, der bis 1906 die Großherzogl. Bad-Schnitzereischule in Furtwangen leitete.
Peter Paul Hausch, der langjährige erste Mitarbeiter Meintels, führte nach dessen Tod, zusammen mit Johann Bayer, im Stuben'schen Schlößchen die Bildhauerschule weiter. Die Bildhauer Anton Leins und Wilhelm Klink, beides Schüler von Peter Paul Hausch, führten die Horber Bildhauertradition fort. Anton Leins starb 1925 und Wilhelm Klink 1952. Das ehemals Meintel'sche Haus ist 1978 der Planierraupe zum Opfer gefallen.
Steinbau am Aischbach
Wenige Schritte weiter, vorbei am großen Fachwerkgiebel des ehemaligen Gasthauses „Zum Schwarzen Adler“, treffen wir auf ein besonders sehenswertes Haus, einen massiven Steinbau am Aischbach. Wahrscheinlich handelt es sich hier um das älteste Wohnhaus der Stadt überhaupt. Das spitzbogige Portal und das schöne Fenster mit dem steinernen Fensterkreuz weisen auf die gotische Bauperiode hin. Mit Sicherheit stand dieses Gebäude schon, als das Schloß Herrenberg oben im Burgstall stand. Es muß eine schöne Partie gewesen sein, denn bis Anfang 1800 führte noch keine Straße so nahe am Haus vorbei und man konnte noch von der „Aischbach Au“ sprechen. Ohne die heutige Gutermannstraße lief der Fuhrwerksverkehr von Altheim und Bildechingen her durch die Hirschgasse und das Mühlegäßle zum Nordstetter Tor bzw. zur Neckarstraße hin. Auch das Haus selbst macht mit den mächtigen Eckquadern, dem brunnengezierten Hof, den originellen großen Fenstern und dem vorspringenden Obergeschoß ein sehr malerisches Bild. Der segmentförmige Sturz über den Fenstern stammt übrigens aus späterer Zeit (1632). Dagegen hat sich im zweiten Stock die solide festgefügte Balkendecke erhalten. Vermutlich verlor das Aischbach-Haus bei diesem Umbau, bei dem die vordere Dachhälfte angehoben wurde, seine Staffelgiebel.
Glockengießerei
Einer der ersten Teileigentümer war der Glockengießer Bernhard Kaltenmoser, ein Bruder des Genre-Malers Kaspar Kaltenmoser, die beide an der Rathausfront „verewigt“ sind. Die eigentliche Glockengießerei befand sich unten im „Reibegäßle“ anstelle des jetzigen Marmorwerkes. Immer häufiger wechselten die verschiedenen Hausteile ihre Besitzer, doch keiner dachte an die Instandhaltung, so daß das stattliche Gebäude mehr und mehr verwahrloste. Erst 1936, als der Juwelier Josef Reinhardt, alle Hausanteile kaufte, trat Wandel ein. Unter riesigem Aufwand an Mühe, Arbeit und Geld war das gesamte Haus nach einigen Jahren vom Keller bis zum Dach so stilecht und fachgerecht saniert, wie es sich heute noch zeigt. Kunstmaler W. Klink, der sich mit seinen Gehilfen an der Instandsetzung maßgeblich beteiligt hatte, bemalte das ganze. Für die große freie Fläche an der Straßenseite schuf er ein Dreifaltigkeitsbild in der Art, wie es die große Klosterscheuer draußen im Tal, vor ihrem Abbruch, zeigte. Im „Dritten Reich“ überspritzten einige Rabauken das ganze Bild mit einer schwarzen Ölbrühe. Sehr mühsam und mit viel Geschick legten die bewährten Kunstmaler das Gemälde im Frühjahr 1939 wieder frei. Deshalb sieht es so angegriffen aus, als ob es sich um ein echtes Jahrhunderte altes Fresko handle.
Mühlener Tor
Ehe wir in die Hirschgasse einbiegen, noch ein Memento für das interessanteste Stadttor, das Horb einst besaß, das Mühlener Tor. (Erbaut 1550, abgebrochen 1828, das Vortor 1836). Sein Grundriß erinnert lebhaft an die Toreingänge mittelalterlicher französischer Schlösser. Der mächtige Torturm, in seinen Maßen übereinstimmend mit dem Ihlinger Tor, stand als treuer Wächter hinter einem gedrungenen Brüderpaar von Rund-Türmen, die zwischen sich das Äußere Tor aufgenommen haben, während darüber ein aus Fachwerk mit teilweiser Verkleidung hergestellter Wehrgang etwaigen Angreifern von oben her mit allen Schrecknissen alter Verteidigungskunst drohte. Dem nördlichen Rundturm war ein Torhäusle vorgelagert, während zu beiden Seiten sich die hohlziegelbedeckte Stadtmauer hinzog. In südlicher Richtung sind noch große Teile erhalten. Hier, bis hinab zum Mühlkanal, war die 1564 erbaute Mauer mit Wall und Graben versehen. In der anderen Richtung überquerte sie den Grabenbach (etwa beim Schuhhaus Schüle), umschloß den alten Friedhof entlang der Weingasse bis zum Bildechinger Tor.

Die Hirschgasse
In der alten Hirschgasse, einst ein Stück Hauptverkehrsstraße von Alt-Horb, kommen wir an eine ganze Reihe interessanter Bauten. Zunächst das Gasthaus „zur Blume“, das aber leider vor mehreren Jahrzehnten eine so kräftige Restauration aushalten mußte, daß der ursprüngliche Eindruck fast ganz verwischt ist. Nur die behäbige Steintreppe und der hohe stockwerksweise vorragende Giebel, lassen sich auch unter den späteren „Zutaten“ nicht verbergen.
Das unmittelbar benachbarte Steinhaus ist zumindest seit der letzten Generalrenovierung ein besonderes Schmuckstück unserer Stadt. Nach seinem Baustil dürfte es spätestens im 14. Jahrhundert entstanden sein. Ob das Steinhaus jemals zur nahen Burg Herrenberg gehörte, ist ungewiß, sicher jedoch ist, daß es dem hiesigen Klosterhof, den das Kloster Reichenbach zwischen 1083 und 1137 erworben hatte, als Vorratsspeicher und Kelter diente. Etwa 1300 ging der ganze Klosterhof an das Kloster Kirchberg über. Das mächtige Steinhaus, mit seinen markanten Staffelgiebeln, ist so geschickt angelegt, daß es aus zwei verschiedenen Etagen ebenerdig erreicht werden kann. Bei der Verstaatlichung des Klosters Kirchberg 1806, erhielt das hiesige Hospital zum hl. Geist das Steinhaus und große Teile des Klosterhofs. Zwischenzeitlich nutzten französische Truppen das Gebäude als Furagemagazin.
Am 27.03.1917 entdeckte Bildhauer W. Klink hier unter Bauschutt und Ackergerät die „Horber Madonna“. Nachdem 1964 die gesamte Spitalökonomie auf die Höhen nördlich der Stadt verlegt worden war, wurde das Steinhaus nach gründlicher und kostspieliger Renovierung als Gemeindehaus der Pfarrgemeinde hl. Kreuz eingerichtet. Seitdem rentiert es sich, dieses Gebäude auch von innen zu betrachten. Beim Anblick des mächtigen Balkenwerkes und der stämmigen Eichensäulen mag man bedenken, daß diese Eichen vermutlich schon z. Zt. der Gründung des hl. römischen Reiches deutscher Nation irgendwo im Schwarzwald grünten, um später per Floß nach Horb gebracht zu werden.
Das gegenüberliegende hohe Fachwerkhaus hat auch eine Verbindung zum Schwarzwald, wenn auch eine ganz andere. Es ist das Stammhaus der Familie Junghans von Schramberg, die seit 1666 in Horb nachzuweisen ist. Dieses schöne Holzhaus hat sich glücklicherweise bis auf den heutigen Tag unverfälscht gehalten. In seinem Äußeren bietet es ein Muster süddeutscher mittelalterlicher Bürgerhäuser; unten die rundbogig umrahmte Haustüre, darüber solides, aus mächtigen Balken gefügtes Fachwerk, immer ein Stockwerk über das andere „vorspringend“ und von schönen Konsolen getragen. So wie dieses Haus, mag wohl die Mehrzahl der Häuser ausgesehen haben, die beim großen Stadtbrand 1725 in Schutt und Asche sanken. 201 Bauten fielen dem Feuer zum Opfer.
Den rechtsseitigen Abschluß der Hirschgasse bildet ein ursprünglich gotischer Steinbau, der als ehemaliges Gasthaus „zum Hirsch“ bekannt ist. Zunächst war es das Gesindehaus des Klosterhofes und gehörte nach Herkunft und Baustil zum Steinhaus und zum Aischbachhaus. Allerdings hat dieses Haus bei mehreren Umbauten nicht nur seine Staffelgiebel, sondern auch fast alle steinernen Fensterkreuze eingebüßt. Dennoch bildet der „Hirsch“ zusammen mit dem Junghans'schen Haus im Verein mit dem Chor der Kapelle zu Unserer lieben Frau ein außerordentlich malerisches Bild.
Burg Herrenberg (Liebfrauenkirche)
Damit sind wir an einem der ältesten und interessantesten Baudenkmäler der Stadt angekommen. Im 12. - 14. Jahrhundert stand anstelle des jetzigen Spitals die Burg Herrenberg, urkundlich genannt am 20. Juni 1331. Sie soll 1333 abgebrochen worden sein. Die ursprünglich romanische Burgkapelle wurde abgebrochen und in reinster Gotik wieder aufgebaut. 1340 urkundlich genannt, gehörte sie mit dem gesamten Klosterhof zum Kloster Reichenbach. Ein offenbar recht genialer Baumeister fügte 1363 ein zweischiffiges Langhaus im stumpfen Winkel an den vorhandenen Chor. Auf diese Weise schuf er für möglichst viele Kirchenbesucher Platz und zugleich freien Blick zum Altar.

In der Reformationszeit wurde das auf württembergischen Gebiet befindliche Kloster Reichenbach aufgehoben und seine Güter von Herzog Friedrich im Jahr 1595 eingezogen. Dieser wollte auch den Horber Klosterhof, doch dagegen wehrte sich Österreich erfolgreich. Nach langem Streit überließ Papst Paul V. die Schaffnereigefälle des hiesigen Reichenbacher Hofes dem Bistum Konstanz, das fortan in Horb einen Pfleger hatte, bis im Jahr 1803 die Besitzungen des Bistums Konstanz an die Markgrafen von Baden und von diesen, die Horber Besitztümer 1807 an Württemberg kamen. Durch den Bischof von Konstanz erhielten die Franziskaner der Tiroler Ordensprovinz 1639 die Erlaubnis, in hiesiger Stadt ein Kloster zu bauen, doch der 30jährige Krieg hinderte sie zunächst daran. Erst am 3. Mai 1650 nahmen die Patres Besitz von Grund und Boden und begannen mit dem Klosterbau an der Südseite der Liebfrauenkapelle. Diese wurde ihnen mit bischöflicher Genehmigung überlassen. Mit großem Eifer und mit franziskanischer Schlichtheit gingen die Patres daran, Kloster und Kirche nach ihren Vorstellungen einzurichten. Wie diese und die Stadt damals ausgesehen haben, hat uns ein tiroler Malermönch, namens Lucas Plazer auf dem Bild des Antonius-Altares hinterlassen.
Zunächst gingen die Franziskaner daran, auf recht originelle Art, einen Mönch-Chor und eine Sakristei in der vorderen Hälfte des Chores einzubauen, indem sie in halber Höhe des vorderen Chorraumes ein Gewölbe einbauten, das auf einer einzigen Säule in der Mitte des Raumes aufsitzt.
Bei der großen „Kappel-Renovierung“ 1977 - 78 beschäftigte sich die Kirchenleitung sehr eingehend mit der Frage, ob man diesen Einbau nicht wieder entfernen sollte, um so die Tiefe des Chores und die Fenster in der ganzen Höhe zur Wirkung kommen zu lassen. Nach langem Hin und Her entschied das Denkmalamt, daß dieser originelle Einbau aus dem 17. Jahrhundert selbst schon erhaltenswert geworden sei. Dagegen ist die große Orgelempore, die die Franziskaner eingebaut hatten, bei dieser Renovierung stark reduziert worden.
„Am 06.12.1646 starb P. Albert Gebhard, ein geborener Wiblinger, auf der zum Kloster Reichenbach gehörenden Schaffnerei zu Horb nach einem mühevollen Leben im Rufe der Heiligkeit und wurde in der den Franziskanern zugewiesenen Gruft der Liebfrauenkapelle beigesetzt. Nach 14 Jahren fand man seinen Leichnam unversehrt.“ (Schwenger-Abtei Wiblingen, S. 22).
Am 01.09.1660 wurde dem Bürgermeister und Handelsmann Andreas Geßler, sowie seinem Sohn Johann Geßler, ob seiner außerordentlichen Verdienste um den Aufbau des Klosters gestattet, in dem Gotteshaus St. Maria zu Horb sich beerdigen zu lassen. (Holl Reg. II 293). Der Turm mit seinem trapezförmigen Grundriß und das Langhaus der Liebfrauenkirche bekamen schon im 17. Jahrhundert infolge schlechten Baugrundes starke Risse, so daß im Jahre 1682 die mächtigen Strebepfeiler dem Turm und dem Seitenschiff vorgelegt und der Turm seiner steinernen Galerie, die ihn ursprünglich krönte, beraubt werden mußte. Ebenso wurde sein schlankes Zeltdach erheblich reduziert. Zur weiteren Entlastung der Fundamente mußten die schweren Kreuzgewölbe der Schiffe herausgenommen und die Kirche mit einem Netzgewölbe aus leichteren Rippen mit doppelten Hohlkehlen wieder neu eingewölbt werden. Aus der Wirkungszeit der Franziskaner datiert auch die Spätrenaissance-Nische mit der sitzenden Madonna über dem Hauptportal am Turm. Die Inschrift lautet: „Herr Michael Holl, Herr Andreas Geßler, Herr Nikolai Pfleger, Herr Johannes Herrmann, alle 4 Bürger und Herr Jakob Saur, Baumeister 1659.“
Zum Besitz der Franziskaner zählte außer dem Kloster nur noch das Langhaus und der Chor als Klosterkirche. Der Turm und die Glocken hatte der Horber Magistrat für sich vorbehalten. Deshalb war auch der Zugang zur Wendeltreppe des Turmes vom Innern der Kirche aus zugemauert und nach außen, gegen den „Hafnermarkt“ (anschließend an die Westseite der Kirche) eine Tür eingebrochen worden. Im Zuge der letzten Renovierung 1977 wurden fast alle zum Vorschein gekommenen Türen und Nischen wieder freigelegt. So ist auch hier „der status quo ante“ wieder hergestellt. Dagegen mußte der Boden im Langhaus verständlicherweise in der jetzigen Höhe bleiben, in die er ums Jahr 1682 infolge starker Feuchtigkeit in den Fundamenten und in der Gruft um 1.30 m angehoben wurde. Aus diesem Grunde sind die Sockel der Pfeiler nicht mehr sichtbar. Die Fensterbänke in der Nordwand wurden um ebensoviel erhöht, d.h., die Fenster verkürzt. Das 1934 wiederentdeckte Hauptportal wurde zugemauert und dafür die jetzige Nordtüre etwas höhergesetzt. Wenn man zu all dem noch bedenkt, daß der Altarraum um 8 Stufen höher lag, als das Langhaus, dann kann man erst richtig ermessen, welch herrliche Gotik die Liebfrauenkirche einst zeigte.
Nach Auflösung des Franziskanerklosters im Jahre 1787 unter Kaiser Joseph II, kamen die Mönche nach Rottenburg; das ehrwürdige Gotteshaus diente mehrere Jahre als Magazin. Erst 1852, nachdem die nahegelegene Johanneskirche abgebrochen worden war, kam die „Kappel“ wieder zu Ehren. In diesen Jahren wurde sie auch von der neu heranwachsenden evangelischen Kirchengemeinde mitbenützt. So kam der Hochaltar der Johanneskirche als Altar in die Liebfrauenkirche. Dieser schöne gotische Flügelaltar ist eine Stiftung der Horber Webergesellen aus dem Jahre 1520. Vermutlich wurde beim Umzug in die Liebfrauenkapelle die knieende Madonnenstatue in der Hauptgruppe „Mariä Krönung“ durch eine unpassende Jmakulata-Figur ausgetauscht. Erst 1910 entdeckte W. Klink das fehlende Original an einem Haus in der Talstraße. Gerade noch rechtzeitig, einen Tag bevor ein Altertumshändler das wertvolle Stück aufkaufen wollte, erwarb der hiesige Altertumsverein die Madonnenstatue zurück. Seitdem ist der schöne, beachtenswerte Altar wieder komplett. Die große Hauptnische mit Mariä Krönung wird flankiert von einer Darstellung des Johannes des Täufers und Johannes des Evangelisten. Das Relief auf dem linken Altarflügel zeigt die Enthauptung Johannes des Täufers, während auf dem rechten Flügel eine Szene aus der Legende um St. Jakob dem Älteren dargestellt ist. Auf den Rückseiten der Altarflügel befinden sich Gemälde von Joh. Nep. Meintel. Seitdem die Flügelaltäre an Wochentagen nicht mehr geschlossen zu halten sind, bekommen die Kirchenbesucher diese Bildtafeln kaum einmal zu sehen.
Die Predella - der Unterteil des Altaraufbaues - zieren 4 Holzskulpturen und seitlich Bilder von Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten. Nur das mittlere Christusrelief entstand erst in den zwanziger Jahren durch Bildhauer W. Klink, als auf kirchliche Anordnung allenthalben einbruchsichere Stahltabernakel eingebaut werden mußten.
Alte Grabsteine
Ebenfalls als „Erbe“ aus der ehemaligen Johanneskirche haben die schönsten und bedeutsamsten Grabsteine alter Horber Geschlechter in der Liebfrauenkirche Aufstellung gefunden. Es lohnt sich, diese Zeugen tiefer Religiosität und vollendeter Steinmetzkunst aus der Zeit der Renaissance genauer zu betrachten. Mit ihren treuherzigen Texten, ihren Symbolen, Wappen und Bildnissen wirken diese Epitaphien auf den aufmerksamen Beschauer heute noch unendlich besser, als die granitene, marmorne und zementgegossene Steinblockkunst unserer modernen Friedhöfe.
Selbstverständlich ist auch die Liebfrauenkirche hin und wieder dem ewig wechselnden Kunstgeschmack ausgesetzt gewesen. Oft brachten diese auch Streit und Meinungsverschiedenheiten zwischen Kunsthistorikern, Kunsttheoretikern und dem einfachen Volk. Bei den beiden letzten Renovierungen des Kircheninnern in den 30er und in den 70er Jahren, war dem sicherlich nicht so. Wilhelm Klink hat sich bei seinen Malerarbeiten voll und ganz, doch in aller Stille an die Empfindungen der Gotik gehalten. Als gewisses Novum in der „Kappel“ malte er eine Reihe von Familienwappen an die Emporebrüstung und um die Säulen. Landeskonservator Lorch bestätigte die Klink'schen Malereien voll und ganz. Darüberhinaus hat Lorch eine große Zahl alter Fresken freigelegt und die Altäre, sowie die übrigen Plastiken zu neuem Glanz gebracht. Auch die alten vertrauten Andachtsbilder vom „Kreuztragenden Heiland“ bis zum Relief „Fegefeuer“, durften wieder Einzug halten. In den letzten Monaten erfuhr die Liebfrauenkirche sogar noch eine Bereicherung. An der Nordseite des mittleren Pfeilers fand eine kleine Pietà, das ehemalige Gnadenbild der Horber Dominikanerinnen aus dem 13. Jahrhundert, Aufstellung. Der neue Zelebrations-Altar mit Ambo (Weihe am 6.11.77) ist in den Altarraum so eingebaut, daß er den trauten Charakter der „Kappel“ keineswegs stört und doch den Erfordernissen des letzten Konzils entspricht. Ähnliches läßt sich auch von dem neuen Polstergestühl sagen, das wohl eher dem Geschmack verwöhnter Wohlstandsbürger entspricht.
Von der einstigen Burg Herrenberg ist nur die Wegebezeichnung „Burgstall“ und ein Stück Kreuzgang im Krankenhaus geblieben.
Geschichte des Spitals
Und nun die Kurzgeschichte des Spitals. 1351, am 12.1. stiftete Dietrich Gutermann das Spital zum hl. Geist. „Durch meiner Seelen und meiner Vorderen und Nachkommen Seelenheils willen, gebe ich mein Haus, Hofstatt und Gesäße zu Horb, gelegen vor dem Stadttor gegen Bildechingen, auswendig der Bruckmauer an dem Bach mit allen Rechten, aller Zugehörde und mit aller Gewohnheit, zu einem ewigen Spital, armen und siechen Dürftigen zu einer steten Herberge“.
1387 Gräfin Ita von Toggenburg, stiftete dem Spital das ganze Dorf Altheim und die halbe Ortschaft Salzstetten mit den dazugehörenden Wäldern, „um damit die heiligen Werke der Barmherzigkeit an armen und bedürftigen Leuten zu vollbringen“.
1406 kaufte das Spital das Gebäude im Burgstall neben dem Pfennigtor, genannt „oberes Spital“. (Im 19. Jahrhundert Schulhaus, später Oberschule, Klein-Kinderschule und Altertumssammlung, 1978 abgebrochen). Aus jener Zeit stammte auch das sog. „Seelhaus“. Es befand sich westlich der ehemaligen Johanneskirche und diente als Herberge für arme Durchreisende.
1791 erwarb das Spital für 2455 fl. die Gebäude des 1787 aufgelösten Franziskanerklosters, welches 1654 auf dem Gelände der 1333 abgebrochenen Burg Herrenberg erbaut worden war. Das Gutermann'sche Stifterhaus wurde nach 440jähriger segensreicher Nutzung an Dominikus Schertlin verkauft 1806. (Abbruch 1817). Bei der Säkularisation der neuwürttembergischen Gebiete erhielt das Spital Teile aus dem Horber Klosterhof des verstaatlichten Klosters Kirchberg, nachdem es zuvor große Teile seiner Besitzungen verloren hatte.
1854. Schwestern vom Orden des hl. Vinzenz übernahmen die Krankenpflege im Spital.
1897. Am 1.4. wurde das Spital auf Grund der sog. „Kirchenvermögensausscheidung“ aus dem seit der Säkularisation (1806) andauernden Patronat der Stadt Horb entlassen und kam ganz in kirchlichen Besitz.
1904. Ein zweites Stockwerk wurde aufgesetzt und ein Krankenhaus eingerichtet.
1915 - 18 Belegung durch ein Militär-Lazarett.
1925. Völlige Neueinrichtung des Krankenhauses.
1927. Kauf des sog. „Siegel-Hauses“, das auf dem Platz des einstigen Gutermanns-Hauses stand. Verwendung als Altersheim.
1964. Umfangreiche und kostspielige Erweiterung und Modernisierung. Die gesamte Spitalökonomie wurde in einen nördlich der Stadt neu errichteten Aussiedlerhof verlegt. Auf dem so freigewordenen Platz wurde das Altersheim „Ita von Toggenburg“ erbaut und bezogen.
1978. Abbruch des alten Altersheimes (Siegelhaus) und des „oberen Spitals“ (ehemalige alte Oberschule), zwecks Krankenhauserweiterung.
Wem dieser Geschichtsabriß zu lang erscheint, dem möchte man wünschen, er könnte noch die Inschrift lesen, die Kunstmaler W. Klink kurz vor dem zweiten Weltkrieg über die große Krankenhauseinfahrt gemalt hat. An den Seiten dieses Schriftbildes waren Darstellungen des hl. Franziskus mit dem großen Gönner der hiesigen Franziskaner, Andreas Geßler und Sohn, gemalt; und ein Bild der hl. Elisabeth mit den Stiftern des Spitals Dietrich Gutermann und Ita von Toggenburg, der Gemahlin des Grafen Rudolf v. Hohenberg. Leider ist dieses historisch aufschlußreiche Bild bei einem Krankenhaus-Erweiterungsumbau in den 50er Jahren zerstört worden. Die Inschrift lautete:
„St. Franziski Klösterlein ward einst erbauet rar und fein, 1654
Der Mindern Brüder kleine Schar hier wirkte 140 Jahr.
Dann ward ihr Haus hinweggenommen 1787
durch Kauf hat es hernach bekommen
das Hospital zum hl. Geist 1791
Dietrich Gutermann sein Stifter heißt. 1352
Viel bresthaft', alt und kranke Leut'
wohnen jetzt darin jederzeit.
St. Vinzenz Töchter halten Wacht 1854
und pflegen treu bei Tag und Nacht.
Dann ward ein Stockwerk aufgesetzt 1904
und Krankenhaus nennt man es jetzt.
Im großen Krieg drei lange Jahr
ein Lazarett im Hause war. 1915 - 18
Drauf ward es ganz neu eingericht' 1925
Was das gekostet, meld' ich nicht.
Manch Krankes schon aus Stadt und Land
Hier gute Hilf' und Heilung fand.
Mög's fernerhin für Groß und Klein
wie bisher auch zum Segen sein.
O bittet, daß uns Gnad erweist,
Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!“
Heute könnte diese Inschrift um einige Ereignisse ergänzt werden. Dann wäre noch etwas zu erwähnen; bei den alten Horbern gibt es einen schwer definierbaren Begriff, ein Zwischending zwischen Spital und Krankenhaus, nämlich den „Spittel“. Er ist so etwas, wie Allgemeingut. Z.B. gab es das „Spittel-Laible“. Gemäß einer Stiftung durften besonders nominierte hilfsbedürftige Personen jeden Samstag einen Brotlaib von der Spitalbäckerei abholen.
Die Johanneskirche
Ganz bestimmt schade ist es um das nächste Nachbargebäude, um die gotische Johanneskirche, die drüben im alten Friedhof dicht am linken Grabenbach-Ufer gestanden hat (Volksschulgebäude). Der alte Friedhof, auf dem die Horber ein halbes Jahrtausend lang ihre Toten beerdigten, erstreckte sich ursprünglich vom linken Grabenbach-Ufer bis hinauf zur Stadtmauer an der Weingasse. An seiner Westseite wurde er von den damaligen Ökonomiegebäuden des Spitals begrenzt. Die Ostgrenze bildete die Stadtmauer in Richtung Mühlener Tor. Die Friedhofskirche, das „St. Johanneskirchle“, stand mit seiner südlichen Längsseite dicht am Grabenbach. Der gotische achteckige Chor zeigte nach Osten und war mit schlanken Strebepfeilern versehen. An seiner Westseite befand sich, ähnlich wie im Taberwasen, ein Durchgang, der zum Friedhof führte und gegen das Kircheninnere mit einem Holzgitter abgeschirmt war. Hier hindurch trugen die Horber alle ihre Toten, vorbei am bereits erwähnten „Seelhaus“. Im Spitalarchiv befindet sich noch eine Originalurkunde auf Pergament, in der am 7. Nov. 1591 Bürgermeister und Rat der Stadt Horb bestätigt, daß „weiland Frau Katharina Gäßlerin, Magister Leonhard Bernhardt, Witticher Schaffner zu Horb, andere eheliche Hausfrau“ dem Seelhaus zu Horb 100 Gulden gestiftet hat, deren Zinsen durch den Spitalmeister für fremde, verletzte, kranke und bresthafte Leute verwendet werden sollen.

Im Innern erinnerte die Johanneskirche an ein Heimatmuseum. Den ganzen Fußboden bedeckten gotische Grabplatten mit Namen und Wappen der ältesten Horber Geschlechter. An den Wänden standen farbenprächtig bemalte Epitaphien, sowie geschnitzte Totenbilder und Holztafeln mit aufgemalten Stammbäumen. Das Glanzstück des Kircheninnern war wohl der große spätgotische Flügelaltar, eine Stiftung der Horber Weberzunft. An der Nordwand im Innern der Kirche befand sich das Altarbild der „St. Michaelskapelle ob dem Beinhaus“. Die Kirche zu St. Johann war hier, wie eine alte Beschreibung von 1851 berichtet, etwas wie eine religiöse Bürgerstube. „Da hatten die Innungen ihre besonderen Gottesdienste und Andachten, ihre Zunftembleme und ihre besonderen Rechte, da versammelten sie sich, um auszuziehen und sich den kirchlichen Feierlichkeiten der Gemeinde in der Stadtpfarrkirche oder Prozessionen anzuschließen“.
Eine alte Notiz besagt: „1851, am 2., 3. und 4. April wurde die St. Johanneskirche ausgeräumt, die Glocken heruntergetan, die drei Altäre, Kanzel und Stühle weggebrochen und ins Steinhaus gebracht. Am 25. März 1851 wurde bei der „Leiche“ der zweiten Frau des „Rankenbecks Raible“, Kunigunde geb. Schäfer von Seebronn zum letzten Mal mit diesen zwei Glocken geläutet. Am 5. Mai 1851 wurde mit dem Abbruch der Kirche begonnen und war bis zum 28. Mai gänzlich abgebrochen. Die 2 Glocken von dieser Kirche hatten die Jahreszahl 1510 und wurden in Eßlingen gegossen. Die größere kam auf den Liebfrauenkapellenturm und die kleinere am 19. Sept. 1851 auf das Schüttekirchle.
1851, am 27.11. wurde die neue Straße über dem ehemaligen Friedhof gefertigt und fahrbar gemacht, so daß von da an darüber gefahren wurde. Die Straße wurde „St. Johannes-Straße“ getauft, wegen der ehemaligen Johanneskirche.“
Später nannte man diese Straße „neue Straße“, dann „Schulstraße“ und jetzt „Gutermannstraße“. Im Laufe der Jahre hat man den alten Friedhof gänzlich eingebaut. Am 28.12.1902 weihte Dekan Eiberger von Eutingen den neuen Friedhof unten am Starzelbach ein. Erste Beerdigung auf dem zwischen Seifenfabrik, Bundesstraße 14 und Eisenbahndamm eingebetteten Friedhof, am 18. Jan. 1903.
Die Michaeliskapelle, von der soeben die Rede war, befand sich etwa dort, wo heute das Verwaltungsgebäude der Kirchen- und Hospitalpflege steht. Nach Pfarrer Döser 1914 in Felldorf, besagt ein Dokument im Spitalarchiv: „am 23 Jan. 1471 vom Schütz im Eutinger Tal und Erhard Herzog, zwei Horber Bürgern, eine Pfründe an die Michaeliskapelle, die sie bei der Johanneskapelle auf dem Gottesacker neu gebaut hatten, gestiftet“. Bei der „umgebauten“ Michaeliskapelle muß man annehmen, daß dieser „Neubau“ eine frühere altersschwach gewordene Kapelle ersetzte. Alte Kirchen, die dem Erzengel Michael geweiht sind, stammen fast ausschließlich aus der ersten Zeit des „heiligen römischen Reiches deutscher Nation“, denn damals wurde Erzengel Michael zum Patron der Deutschen erwählt.
Vom neuen Altersheim „Ita von Toggenburg“ haben wir schon gehört. Mit seinem eigenwilligen Dach steht es genau auf dem Platz des ehemaligen Ökonomiebetriebes der Hospitalpflege. Das Hauptgebäude dieser Anlage bildete eine große Scheuer mit angebauten Stallungen. An der breiten Vorderfront dieser Scheune berichtete eine Inschrift ausführlich von einer Hochwasserkatastrophe. Am 15. Mai 1578 war ein Wolkenbruch und eine Überschwemmung mit Wirbelstürmen auch über das Grabenbachtal niedergegangen. Riesige Wassermengen strömten dem Neckar zu. Mit angeschwemmtem Geröll und Holzteilen verstopften sie die Öffnung für den Grabenbach in der östlichen Stadtmauer. Das Wasser stieg mehr und mehr, so daß in der Spitalscheuer alles Vieh ertrank, nur „ein blinder Rappe und eine rotblaßende Kuh durch ihre Flucht über die Stiegen auf den Heuboden sich salviert haben“. Die Scheune, sowie die Inschrift stammten aus späterer Zeit. Kurz nach der Jahrhundertwende hatte Kunstmaler Klink die Inschrift zwischen einem Rappen und einer Kuh und darüber das Symbol des hl. Geistes gemalt. Ansonsten verlief der Ökonomiebetrieb ohne lautes Aufsehen durch die Jahrhunderte. Bei Kriegsausbruch 1914 wurden auch hier immer wieder Pferde zum Kriegsdienst requiriert. Als dann nach dem verlorenen Krieg 1918 tagelang heimkehrende Truppen durch Horb zogen, stand natürlich auch der damalige Spitalaufseher Schott, ein Hüne von Gestalt, an der Straße, um sich das seltene Schauspiel zu betrachten. Plötzlich begannen zwei Pferde laut wiehernd ganz unmilitärisch sich aus der Kolonne zu drängen. Da erst erkannte Schott die Pferde wieder, die vier Jahre zuvor weggeholt worden waren. Einige Zeit später durfte Schott das Gespann in Ludwigsburg abholen.
Gastwirtschaften
Neben der Spitalökonomie grabbachaufwärts stand einst der Gasthof „zur Post“. Hier stiegen einmal von Bismarck und Moltke auf einer Schwarzwaldreise ab. Dicht daneben ist das Gasthaus „zum Lamm“, früher „zum goldenen Schaft“ genannt. Vor dem Stadtbrand muß auch dies ein ganz imposantes Gebäude gewesen sein. Einem humorvollen Gedicht aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts zufolge, soll hier Prinz Eugen der edle Ritter nach dem besten Wein verlangt haben. Beim ersten Schluck aber, warf er den Becher zum Fenster hinaus und meinte, „lieber wolle er noch einmal Belgrad erstürmen, als von dem Gewächs zu genießen, das der Horber Weinstock trüge.“
Wie dem auch sei, im Gegensatz zu heute, hatte Horb an Gastwirtschaften nie Mangel. So zählte man im Schnitt bei ca. 2000 Einwohnern rund 40 Wirtschaften und 23 stattliche Bierkeller. Bis zum 18. Jahrhundert sprach man hier allgemein dem Weine zu, der an den Südhängen von Kugler und Kreuzkapellenberg angebaut und in zwei großen Keltern am Ihlinger und Mühlener Tor gepreßt wurde.
Von der ganzen weinseligen Herrlichkeit blieb nur noch die Wegebezeichnung „Weingasse“ übrig. Die Horber Gastronomen stellten sich auf Hopfenanbau und Bierbrauerei um. Die Mehrzahl der Wirte braute ihr Bier selber, allerdings wird erzählt, daß mancher Bierbrauer manche Sud selbst oder mit seiner Familie allein trinken mußte, um den Schaden gering zu halten, wenn das Bier zum Ausschenken zu schlecht und zum Wegschütten zu „gut“ geraten war. Andererseits darf nicht unerwähnt bleiben, wie genau die Stadt Handel und Wandel auch hier überwachte. Dies zeigt eine heute noch erhaltene Stadtordnung. In ihr taxiert und fixiert der Rat den Wirten die Zeche: Ein Pfennigessen - für eine Portion Suppe und Fleisch kostet 2 Batzen, 1 Pfennig; Braten - 2 Batzen, 4 Pfennig; Salat - 6 Pfennig; eine Fastensuppe mit Stockfischen - 2 Batzen, 7 Pfennig; gute Fische - Forellen gesotten oder gebraten - 3 Batzen; Lachs - 3 Batzen; geringere Fische - 2 Batzen; ein gebratener Hering - 2 Pfennig; das Herrenessen für 5 Gäste - zu 13 Speisen mit 1 1/2 Maß - 6 Schoppen Wein für den Mann, 3 Schoppen für die Frau und 1/2 Maß - 2 Schoppen für die Jungfrau kostete pro Person 1 Flasche 1 Batzen, 2 Pfennig.

Trotz dieser preiswerten Speisekarte ziehen wir weiter die Bildechinger Gasse hoch, vorbei am „Gasthof Krone“ und dem ehemaligen „Gasthaus Waldhorn“ und an der Weinstube in der späteren Bäckerei Eder bis hinauf zum evangelischen Pfarrgarten. Dort stand einst der mächtige Bau des Gasthauses „zu den drei Königen“, mit schönem Wirtshausschild und dem damals einzigen Erker der Stadt. 1896 brannte dieses Gasthaus bis auf die Grundmauern nieder und wurde nicht mehr aufgebaut.


Bei diesem großen Brand fing auch der nahegelegene Ringmauerturm in der Weingasse Feuer, so daß der ganze Holzteil der Stadtseite ausbrannte. Zum Bau des evangelischen Pfarrhauses im Oktober 1897 mußte auch diese idyllische Turm-Ruine weichen. Die in dieser Zeit erbaute evangelische Kirche gab so jener Ecke eine völlig neue aber harmonische Note. Die Stadtmauer indessen zog von hier aus talabwärts in Richtung Grabenbachdurchlaß beim Mühlener Tor.
Bis 1836 zwängte sich in der Bildechinger Gasse das stattliche Bildechinger Tor zwischen eine Doppelreihe malerischer Bürgerhäuser. Ihm war ein Torhäuschen vorgelagert. Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts übte dort der „Torschmied“ sein geräuschvolles Handwerk aus.
Von hier aus zog sich die Stadtmauer am Kugelberg hoch bis zu einem nahen Rundturm auf der Höhe des beliebten Spazierweges „Ringmauer“.
Es muß einen respektabeln Eindruck gemacht haben, wenn man von außen her auf den von zwei massiven Rundtürmen flankierten Bildechinger Torturm zuging.

Den stattlichen 4röhrigen Platzbrunnen in unmittelbarer Nähe kümmerte das alles nicht. Er ist eine tüchtige Arbeit der Renaissance aus dem Jahre 1579. Allerdings zerstörte eine Luftmine am Tag des Einmarsches der Franzosen am 17. April 1945 den Brunnen total. Noch im Jahre 1927 hatte W. Klink den Brunnen im Hinblick auf das 700jährige Stadtjubiläum restauriert. Auf schlanker Säule, umringt von reihumspielenden Putten, gekrönt mit einem schönen Kapitell, steht ein lebensgroßer Ritter in prächtigem Harnisch und mit offenem Visier. In der Rechten hält er eine wimpelgeschmückte Lanze, in der Linken den Schild mit dem österreichischen Wappen. Ob es sich hier um eine Darstellung des Grafen Rudolf dem I. oder dem III. von Hohenberg handelt, steht nicht fest. Was heute noch zu sehen ist, ist lediglich eine nachträglich gefertigte Kopie aus dem Jahr 1960.
Im Hintergrund fällt ein großes massives Gebäude auf. Früher war das die städtische Realschule, dann Lehrerwohnung und Eichamt, später Gerätemagazin der Feuerwehr.
Das „Tal“
Draußen im „Tal“, wie die Horber den am Grabenbach gelegenen Stadtteil in der Altheimer Straße seit jeher nennen, wäre noch eine kleine Sehenswürdigkeit, und zwar das Wirtshausschild am „Gasthaus Germania“, früher „Reichskneipe“. Dieses Schild, das erst in jüngster Zeit zu einem Bareis'schen Schild umgestaltet wurde, zeigte ursprünglich einen Hirsch und versah seinen Dienst am ehemaligen Gasthaus „zum Hirsch“. Obwohl es damals eine Reihe solcher Wirtshausschilder gab, gilt dieses schmiedeeiserne Meisterwerk aus der Rokokozeit als eines der besten, doch auch die anderen Zeichen der guten alten Zeit, wie z.B. die Schilder vom „Kreuz“, vom „Schwarzen Adler“ vom „Goldenen Adler“ und der „Krone“, wären heute noch sehenswert und sollten uns nicht vorenthalten bleiben.
Unweit vom Gasthaus „Germania“ stand früher die alte, weit in die Altheimer Straße hineinragende Klosterscheuer der Franziskanerinnen. Dieser einfache aber gefällige Bau mit großem Walmdach wurde kurz nach dem Stadtbrand von 1725 gebaut. Gegen Südosten und Nordwesten ermöglichten zwei große nägelbeschlagene Scheunentore die Durchfahrt der Scheune parallel zur Straße. Darüber zeigte die Südostenwand ein Dreifaltigkeitsbild, darunter eine Ansicht des Klosters, von dem heute nur noch der nördliche Flügel steht. Auf dem Bild war auch der Durchgang zur Bußgasse, der sog. „Ritterbogen“ zu sehen. Neben der Ansicht links St. Franziskus mit den Wundmalen, rechts die hl. Elisabeth mit einem Kranken. Das Bild auf der entgegengesetzten Seite war seit langem so verwittert, daß es nur noch die Mittelfigur, eine Madonna mit Kind, erkennen ließ. Im Januar 1930 ist dieses Verkehrshindernis abgebrochen worden. Im Grundstein der ehemaligen Klosterscheuer fanden sich zwei Benediktus-Medaillen, eine silberne „Salzburger Landmünz“ von 1731 und ein Silberner Kreuzer von 1758 mit württembergischem Wappen und dem Bild des Herzogs Karl. Nach dem Datum der letzten Münze zu schließen, war es also den Franziskanerinnen erst ca. 23 Jahre nach dem großen Stadtbrand möglich, ihre Scheune neu zu erstellen.
Eine Scheuer von besonderer Bedeutung hat sich draußen im Tal unweit vom „Pestkreuz“ (hier hatte die Pest, der „Horber Tod“, 1611 Halt gemacht) bis heute erhalten. Der stattliche Fachwerkbau ebenfalls eine achtbare Zimmermannsarbeit, ist mehrfach urkundlich erwähnt. Wie seine Verwendung, so hat er auch seine Bezeichnung mehrfach geändert, wie „Talhaus“, „Zeughaus“ und „Zehntscheuer“. Der in jüngster Zeit gegründete Förderverein zur Erhaltung dieses altersschwach gewordenen Baudenkmals, hat sich auf den Namen „Talhaus“ geeinigt. Natürlich machte man sich auch über eine sinnvollere Verwendung Gedanken. 1913 hat dieses Talhaus sein ursprüngliches aus Steinquadern gefügtes Rundtor verloren. Trotz Intervention des damaligen Altertumsvereins bestand der Besitzer darauf, ein größeres Scheunentor einzubauen, um auch mit landesüblichen Heu- und Garbenwagen einfahren zu können. Mit den entbehrlich gewordenen Rundbogenquadern bauten die Männer des Altertumsvereins das „Schüttetörle“ wieder auf.
Wir wollen jetzt endlich in die Oberstadt gelangen. Wer aber die „gute Stube“ der Stadt Horb, den Marktplatz, am wirkungsvollsten erleben will, der sollte unbedingt den Hauptzugang, die Marktstraße benützen. Hier in der Marktstraße siedelten sich die ersten Horber Bürger, Dienstleute der Burgherren, Handwerker und Kaufleute, an. So ist die Marktstraße, die die Bergnase hochführt, als die älteste Straße der Stadt zu betrachten. Von den Häusern sind bei der Brandkatastrophe bestenfalls nur die Keller erhalten geblieben, aber gerade diese können heute noch Zeugnis ablegen vom Wohlstand der alten Horber. Während wir die erneut gepflasterte Straße hochsteigen, noch kurz einige Gedanken zur Geschichte von Horb.
Altes Reichsgut
Horb war altes Reichsgut und kam 1005 an das Bistum Bamberg, bei dessen Gründung durch Kaiser Heinrich II. (?) Lehensträger des Bischofs von Bamberg waren die Pfalzgrafen von Tübingen. Die Burg soll von einem Pfalzgrafen Rudolf II. von Tübingen um 1200 erbaut worden sein. Später ging Horb an Pfalzgraf Hugo IV. um 1250 über. - 1228 erstmals pfalzgräfischer Schultheiß - Damals gab es im Horber Gau (Nagoldgau) noch viele freie Leute. 1259 hält Hugo IV. ein Gauding, d.h. eine Gauversammlung der freien Leute auf dem Feld „zwischen den Wegen“ (zwischen Horb und Altheim) ab. 1270 ist Horb erwähnt als municipium (etwa eine Landstadtverwaltung), 1291 gehörte Horb unter die festen Städte des Grafen Rudolf, 1269 kommt Horb an Hugo V., dessen Tochter Luitgart heiratete den Grafen Burkardt IV. von Hohenberg. Als Hugo V. 1305 starb, kam Horb an Hohenberg. Diese beiden Hugos nannten sich Grafen von Horb. Die Grafen Hugo IV. und V. bezogen von Horb jährlich 80 Pfd. Tübinger Heller (1 Pfd. = 120 Heller), außerdem erhielten sie Brotsteuern, Metzelsteuern, Weinsteuern, ferner Abgaben von den Grundherren. Die Mühlen waren gräfliches Eigentum. Von Gewerbe und Handel wurden Schätzungen und Zoll erhoben. Durch diese Heirat - ein Hohenberger mit der pfalzgräflichen Erbtochter Luitgart - kam die obere Burg zu ihrem Namen „Burg Hohenberg“, obwohl diese noch von den Pfalzgrafen erbaut wurde. Beide Burgen waren alsbald mit zwei Mauern verbunden, im Süden längs der Sommerhalde (siehe Zähringer Turm im Haus Eder) und im Norden entlang der Wintergasse. Kastellartig entwickelte sich dazwischen die erste Stadt Horb auf der so befestigten Bergzunge.
Marktplatz - die „gute Stube“
Wenn es hier auch recht eng herging, für einen Marktplatz, den wir heute recht sinnvoll „die gute Stube“ nennen, hatten sie dennoch Platz gelassen. Das ist daher auch kein gewöhnlicher Marktplatz wie in Biberach oder Freudenstadt z.B., in Horb ist er nicht mehr der Mittelpunkt der Stadt; denn er liegt an ihrem obersten Ende und für den heutigen Verkehr so ungeeignet wie möglich, aber für unsere Vorfahren galt eben das Gebot der Sicherheit über alles. So schwierig auch die Lage ist, so reizend und eindrucksvoll ist das architektonische Bild, das sich dem Eintretenden bietet.
Von oben her wird der Platz beherrscht von der auf mächtigen Futtermauern hochragenden Stiftskirche mit ihrem schlanken Turm. Sie wird umringt von altehrwürdigen Bauten kirchlicher und weltlicher Institution. Die Giebelhäuser zu beiden Seiten des Marktplatzes, malerisch im Auf und Ab ihres Umrisses, wirken lustig in ihrer Farbenfreudigkeit.
Unter ihnen zur Rechten, als unbestrittene Königin, das Rathaus der Stadt Horb, das wie alle übrigen Gebäude dieser Gegend, nach der Brandkatastrophe von 1725 in Eile und Not völlig neu aufgebaut werden mußte. Vordem stand das Rathaus an der Südseite des Marktplatzes, wo sich heute noch eine große Häuserlücke befindet.
Das „Horber Bilderbuch“
Am 2. Juli 1925 beschlossen die damaligen Stadtväter unter Vorsitz von Stadtschultheiß Dr. Gekle trotz finanzieller Schwierigkeiten die große Rathausfront durch Kunstmaler W. Klink bemalen zu lassen. Sie wollten bis zum 700jährigen Stadtjubiläum ein schönes Rathaus haben. Wie zahlreiche Presseberichte der nachfolgenden Jahrzehnte im In- und Ausland bestätigen, haben die Horber jetzt eines der schönsten Rathäuser im Lande und das Kunstwerk selber hat inzwischen den Titel „das große Bilderbuch der Stadt“ erhalten. Dabei hat der Künstler weniger nach dem gerade Modernen gefragt, vielmehr hat er in zeitloser Art, die einfache Volksseele berührt. Schon der trefflich dargestellte Hochzeitszug aus der Biedermeierzeit, ringt jedem Beschauer ein Lächeln ab. Wie dieser Festzug unter dem Stichwort „Liebe“ auf einem Wappenfries meist ausgestorbener Familien herkommt, so streben von rechts unter dem Motto „Fleiß“ die Vertreter der wichtigsten Berufe aus Alt-Horb dem umkränzten Stadtwappen einem weiß-rot-quergeteilten Schilde zu. Diese Figurengruppe wirkt wohl deshalb so natürlich, weil in ihr eine ganze Anzahl echter Porträts stecken. Dies gilt auch für die insgesamt 10 Medaillons bedeutender Persönlichkeiten. Das erste Bildnis auf der Höhe des ersten Stocks zeigte Graf Rudolf der Letzte von Hohenberg. Er, der kinderlos starb, verkaufte noch zu Lebzeiten die Grafschaft Hohenberg an Österreich und stiftete hier das Chorherrenstift hl. Kreuz. Das zweite Bild zeigt den bedeutendsten Sohn der Stadt, Martin Gerbert von Hornau, Fürstabt in St. Blasien 1720-1793. Auf diesen Landsmann können die Horber wirklich stolz sein. Er war ein Universalgenie, als Fürstabt ein großer Förderer der Studien in seinem Kloster, ein Erneuerer des Schulwesens und der Wirtschaft in seinem Territorium. So brachte er St. Blasien zu großer Bedeutung unter den Gelehrten seiner Zeit. Seine umfangreichen theologischen Werke zählen heute noch. Auch in den prophanen Wissenschaften, sowie als Kirchenmusiker, Bauherr und Landesfürst, hat Martin Gerbert Bahnbrechendes geschaffen. Seiner Heimatstadt Horb blieb er stets verbunden.
Zum Gedenken an seine Taufe in der hiesigen Stiftskirche, schenkte Fürstabt Gerbert dem Chorherrenstift eine kunstvoll geschaffene Meßgarnitur. In seiner tiefreligiösen Bescheidenheit ließ er in den Kelchfuß eingravieren: „Erbarmt Euch meiner, wenigstens Ihr, meine Freunde“. Im Mittelfeld des Figurenbereichs breitet der österreichische Doppeladler seine Schwingen aus, um die Wappenschilde alle der Obrigkeiten zu zeigen, unter denen Horb bis zum ersten Viertel des 20. Jahrhunderts gestanden hat. Zuerst die Tübinger Fahne der Pfalzgrafen bis 1305, dann das weiß-rot-quergeteilte Schild der Grafen von Hohenberg (das spätere Stadtwappen von Horb) von 1305 - 1381, in der Mitte das weiß-rot-weiße Schild Österreichs, unter dem sich Horb 424 Jahr lang befand. Dann das Wappen des Königreichs Württemberg 1806 - 1918 und das des Volksstaates Württemberg. Unten an den Schwanzfedern des Doppeladlers kann man noch den kaiserlichen und den republikanischen Reichsadler erkennen. Das Bild rechts daneben zeigt den Bischof von Mainz, Dr. Paul Leopold Haffner. Er ist am 21.1.1829 als Sohn des Oberamtsarztes Dr. Christian Haffner in diesem Haus geboren. 1852 empfing er in Rottenburg die Priesterweihe. Schon im Alter von 26 Jahren folgte er der Berufung zum Professor am Priesterseminar in Mainz durch den dortigen Bischof Freiherr Wilhelm Emanuel von Ketteler. Unter dem Einfluß dieses epochemachenden Sozialreformers entwickelte sich Haffner zum bedeutsamsten Redner und apologetischen Publizisten seiner Zeit. Als Bischof von Mainz wurde er 1899 im dortigen Dom beigesetzt. Das Medaillon in dieser Reihe zeigt ebenfalls einen außergewöhnlichen Theologen, den Universitätsprofessor Dr. theol. et. phil. Paul von Schanz, 1841 - 1905. Nach mehreren ehrenvollen Berufungen bekleidete er auch die Würde des Rektors magnifikus der Universität Tübingen. Er war im wahrsten Sinne des Wortes Lumen der Alma mater. Sein Grab befindet sich auf dem Horber Friedhof. Schon vor dem ersten Weltkrieg waren erfolgversprechende Bemühungen im Gange, um für das Dreigestirn „Gerbert, Haffner, Schanz“ ein Denkmal zu errichten, doch der Krieg und die nachfolgende Geldentwertung, die das gesamte bereits gespendete Kapital verschlang, machten das Vorhaben zunichte.

Die nächste Porträtsreihe zeigt sechs weitere bedeutende Horber Persönlichkeiten. Zunächst ganz links Dietrich Gutermann, ihn, den Stifter des hl. Geist-Spitals haben wir ja schon kennengelernt. Ebenso ist uns die Gräfin Ita v. Toggenburg, die großzügige Gönnerin des Spitals bereits bekannt. Den nächsten, Obervogt Geßler von Braunegg, werden wir in der Nachbarschaft noch näher kennenlernen. In der Mitte dieser Bilderreihe ist eine Schrifttafel eingefügt mit einem Vers des ehemaligen Rektors der hiesigen Latein- und Realschule, Prof. Dr. Stefan Lösch:
„Städt' und Städtle git's viel am Neckar,
Donau und Rheine, aber so hoch und schö'
bucklich wie ons're ischt keine! Stei'reich,
voll G'sondheit und immer in Fried: So
onser Herrgott dia Stadt und Stadträt behüet!“
Ein hübsches Vertreterpaar vom damaligen Jung-Horb zieren die Tafel. Der Kunstmaler Caspar Kaltenmoser setzt die Reihe der bedeutenden Horber fort. Am Weihnachtstag 1806 wurde er als 6. von 10 Kindern des hiesigen „Wildmann-Wirt“ geboren. Von Kindheit an übte er sich mit wachsendem Fleiß im Zeichnen. Mit 14 Jahren kam Kaltenmoser in die lithographische Anstalt seines Schwagers in Horb. Später, 1827 war er recht erfolgreich in einer ähnlichen Anstalt in Schweinfurt tätig. Dennoch zog es ihn 1830 an die Kunstakademie in München. Auf mehreren Studienreisen durch den Schwarzwald, nach Tirol und Oberitalien, wurde er mehr und mehr Genremaler im wahrsten Sinne des Wortes. Er malte mit Vorliebe Land und Leute für das einfache Volk. So konnte man ihn auch auf dem Horber Wochenmarkt bei der Suche nach volksnahen malerischen Motiven antreffen. Am 6. März 1867 starb dieser stille und bescheidene Künstler in München. Anläßlich seines 100. Todestages und auf Initiative von Bürgermeister Haegele kam 1970 im Heimatmuseum „Hoher Giebel“ eine gute und interessante Kaltenmoser-Ausstellung zustande.
Den Herrn auf dem nächsten Bild, Johann Nepomuk Meintel 1816 - 1872, den Gründer der Horber Bildhauerschule, lernten wir schon unten in der Neckarstraße kennen. Die meisten seiner Werke sind den Modeschwankungen der neueren Zeit zum Opfer gefallen.
Anders als Meintel hat der letzte im Bunde, Glockengießer Bernhard Kaltenmoser 1804 - 1880, dem wir bereits unten im Aischbachhaus begegnet sind, den Verlust seiner Werke zu beklagen. Fast alle seine Glocken, die der begnadete Meister gegossen hatte, sind den beiden Weltkriegen zum Opfer gefallen. Auch die Glocke Kaltenmosers, unsere „Scheidungsglocke“ in der Stiftskirche, mit einem Bild des hl. Antonius v. Padua mit dem Jesuskind, wurde im ersten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen. Sie stammte aus dem Jahr 1850.
Das Dreieck ganz oben im Giebel, stellte ursprünglich das alttestamentliche Gottes-Symbol mit dem hebräischen Wort „Jehova“ oder besser übersetzt „Jahve“ dar, was etwa heißt, der Ewig-Seiende. Natürlich konnten die so sehr antisemitischen Parteigenossen keine hebräischen Schriftzeichen am Rathaus dulden. Auf Anordnung des NS-Gaukulturwartes wurde stattdessen ein Auge gemalt. Ob es das „Auge Gottes“ oder des Gesetzes sein sollte, wurde nicht befohlen. Heute, 40 Jahre danach, ist zugesagt, daß hier der Originalzustand wieder hergestellt werden soll.
Das ebenfalls bemalte Nebengebäude, wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Wachthaus umgebaut. Die Hauptfiguren dieser Fassade bilden zwei Polizeivollzugsbeamte der städt. Exekutive. Der eine mit Hellebarde und Laterne - so wie hier noch bis 1905 allnächtlich die Stunden ausgerufen wurden -, der Schutzmann auf der anderen Seite in schneidiger Uniform und mit untergeschnalltem Säbel - damals der Vertreter der neuen Zeit - erinnern an eine gemütliche Zeit. Hier lautet der Vers von Dr. Lösch (ebenfalls mit etwas Ironie: „Net bloß am Tag, au no bei Nacht vor sottige Wächter, nehmt euch älle jo in acht!“)
Die Malereien auf beiden Giebeln werden durch sehr gekonnt plazierte Ornamente zu einem wohlgelungenen Ganzen vereint und vervollständigt. Ganz unten rechts über dem Wappenfries wäre noch ein kleines Familienwappen zu beachten, bei dem zu lesen ist: „W. Klink, ein Bürger hiesiger Stadt, dies entworfen und gemalet hat.“
In der Nähe des Rathauses befindet sich noch eine Sehenswürdigkeit, das imposante Patrizierhaus der Geßler. Im Gegensatz zu den alten Häusern beim Luziferturm und in der Hirschgasse, ist dieses ein echtes Barockhaus. Mit seinem breiten Portal mit dem Geßler'schen Adelswappen, seinem behäbigen Stiegenhaus und den mächtigen Fenstern, ist es so recht der Typus eines vornehmen Kleinstadthauses aus dem 18. Jahrhundert. Die Familie der Geßler, von denen einige schon im 15. Jahrhundert in Ansehen und Würde standen, gelangten im 18. Jahrhundert zu großem Einfluß und hatten mehrere Häuser in Besitz. Ein Glied derselben, Johann Joseph Geßler, Obervogt zu Horb, wurde am 6. März 1726 von Kaiser Karl VI. in den „rittermäßigen Adelsstand“ erhoben und nannte sich von da ab „Geßler von Braunegg“. Dieses für ihn nun standesgemäße Haus erbaute er vermutlich auf dem Platz des abgebrannten „Fürstlich-Murischen Baus“. Sein Grabstein befindet sich in der nördlichen Seitenkapelle der Stiftskirche neben dem Altar der schmerzhaften Muttergottes. Wer mehr von dem honorigen Stamme der Geßler wissen möchte, dem sei ein Besuch im gegenüberliegenden Gasthaus „z. Schiff“ empfohlen. Dort in der Gaststube der ehemaligen Geßlerschen Schiffbrauerei, hat Kunstmaler W. Klink 1930 anläßlich einer Renovierung der Gaststube eine Ahnengalerie im kleinen geschaffen.
Trotz Tabakqualm unzähliger Stammtischler, der sich auf den Ölgemälden niedergeschlagen hat, schauen die alten Geßler noch recht lebendig auf uns herab, so, Andreas Geßler (1590 - 1683), Bürgermeister und Handelsherr. Er war der schon erwähnte Förderer der Horber Franziskaner, ferner der geadelte Obervogt Johann Joseph Geßler v. Braunegg, 1689 - 1757, des weiteren der Canonikus Dominikus Geßler, Chorherr des Stifts z. hl. Kreuz (1742 - 1821). Durch die Säkularisation wurde er 1803 aus Amt und Würde vertrieben. Schließlich Johann Michael Geßler, ein begeisterter Anhänger der bürgerlichen Freiheitsbewegung von 1848, der 1889 in Ortenburg starb, nachdem er 1873 seinem Sohn Robert Eduard Geßler seinen Besitz anvertraut hatte. Dieser wiederum, ein Veteran von 1870 - 71, starb 1893. Der weibliche Geßler-Stamm ist vertreten durch Anna Katharina Geßlerin, Priorin des Dominikanerinnenklosters in Horb, sie, eine Tante des Obervogts Geßler, baute das 1725 abgebrannte Kloster (das heutige Finanzamt). Die in Holz geschnitzten Geßler-Wappen, das bürgerliche und das adelige, ergänzen den wertvollen familiengeschichtlichen Zimmerschmuck.
Trotz Gasthausbesuch sollte man neben dem genannten Patrizierhaus dem zweiten der schönsten Stadtbrunnen, den Löwen-gekrönten Marktbrunnen, nicht übersehen. Auch dieser ist ein echtes Renaissance-Meisterwerk. Alles, die Säule, der Löwe, das Schild (letzterer geteilt vom österreichischen und hohenbergischen Wappen) ist vorzüglich durchgeführt und auch recht gut erhalten. Bei der allgemeinen Brunnenrestauration in den 20er Jahren mußte lediglich eine riesige Moosschicht über der ganzen Brunnensäule entfernt und die fehlende rechte Vorderpfote mit Schwert ersetzt werden. Der Gedanke, diesen schönen 4-röhrigen Brunnen evtl. ganz auf den Marktplatz heraufzuverlegen, wo er besser zur Geltung käme, mußte verworfen werden. Nach Lage der Brunnenstube, draußen im Tal beim Stadtausgang Richtung Altheim müßte dann eine Pumpe eingebaut werden. Dann aber wäre die Wasserversorgung per Brunnenanlage nicht mehr krisenfest. Wie froh waren doch die Horber beim letzten Kriegsende, als die Brunnen, trotz Stromausfall, immer noch weiterplätscherten. Darum, und nicht nur aus Pietät, und Schönheitssinn, sollten wir der Stadtverwaltung dankbar sein, wenn sie diese altehrwürdigen und nützlichen Brunnen auch weiterhin pflegt und unterhält.
Schloß Hohenberg
Wenden wir uns jetzt vom Markt an aufwärts, so kommen wir zur imposanten Häusergruppe der Stadt, die Jahrhunderte lang, und zum Teil auch heute noch, der Brennpunkt des kirchlichen und staatlichen Lebens der Stadt war. Zuoberst neben dem mächtigen Schurkenturm stand einst das Hohenbergische Schloß. Die um 1300 erbaute Burg war zum Schutz gegen den Berg mit einer mächtigen Schildmauer und einem Burggraben versehen. Ihr Abbruch erfolgte zunächst 1780 und vollends im Jahr 1816. Unter Zimmermann Hausch fand das so gewonnene Baumaterial wieder Verwendung.
Das wichtigste Vorkommnis, das sich hier in Horb abgespielt hat, ist der „Horber Vertrag“. Herzog Eberhard dem Jüngeren wurde „unbeschadet dem Nutz und Frommen des Fürstentums, den alten Verträgen und Ordnungen, Dienst-, Amts- und Lehenspflicht aufgekündigt, weil er bisher ein untaugliches und mangelhaftes Regiment geführt, die alten von ihm beschworenen Verträge gebrochen und nur nach seinem Gefallen Herr im Lande habe sein wollen“.
Das hatte die Absetzung des Herzogs und die Übertragung der Herrschaft an seinen erst 10jährigen Neffen Ulrich zur Folge. Der Herzog Eberhard selbst wurde zu Kaiser Maximilian nach Horb beschieden, wo ihm erklärt wurde, er könne nicht in der Regierung bleiben, tue wohl, freiwillig abzudanken und das Land samt allen Rechten und Pflichten und Freiheiten, doch mit Vorbehalt seines Erbteils für seine männlichen Erben an Ulrich abzutreten und es für immer zu verlassen: dafür sollte er sogleich 2000 fl und außerdem alljährlich 6000 fl erhalten.“
Der Herzog unterzeichnete in Gegenwart des Kaisers zu Horb diese Abdankungsurkunde am 10. Brachmonat (Juni) 1498. Als Grund für seine Verzichtleistung gab Eberhard „sein Alter und seine Leibesblödigkeit“ an. Doch bald reute ihn seine Nachgiebigkeit und er wandte sich mit Bittschriften an den Kaiser und andere Fürsten um Wiedereinsetzung, doch überall ohne Erfolg. Zuletzt nahm ihn Pfalzgraf Philipp von Heidelberg in Haft und brachte ihn auf Schloß Lindenfels im Odenwald, wo er von allen verlassen am 17. Februar 1504 starb.
Unser Schurkenturm, der ehemalige Burgfried der „Hohenberg“, hat kein besonderes „Vorleben“. Von ihm erzählt man, daß keinem seiner Gefangenen je eine Flucht geglückt war. 1822 wurde der alte mit Walmen versehene Dachstuhl abgebrochen und das heute noch bestehende Zeltdach errichtet. Ferner wurden in dem Turm 4 feste „Kriminalgefängnisse“ und oben eine Gefangenenwärterwohnung eingerichtet (Gesamtkosten 7000 Gulden). Lange Zeit stand der Schurkenturm leer, bis bei der sog. Machtergreifung 1933 die Nationalsozialisten so viele politische Gegner in „Schutzhaft“ genommen hatten, daß auch der alte Schurkenturm herhalten mußte. Heute dient er der hiesigen Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins als Vereinsheim.
Stiftskirche Heilig Kreuz
Direkt unterhalb der Burg Hohenberg, gleichsam im Schutz der weltlichen Herrschaft, gruppieren sich die Zentren kirchlichen Lebens. Der Stadt am nächsten steht auf hohem Felsen von mächtigen Mauern gestützt, das erste Gotteshaus der Stadt, die Stiftskirche zum hl. Kreuz. Ehedem war sie von drei Seiten umschlossen von den Gebäuden der Stiftsherren, den heutigen Kaplaneihäusern, der Probstei, dem heutigen Pfarrbüro und Kindergarten St. Leonhard, ferner dem Dominikanerinnenkloster - heute Finanzamtsaußenstelle - und schließlich dem zweiflügligen Franziskanerinnenkloster (heute nur noch der nördliche Teil erhalten). Alle diese Gebäude schmiegen oder schmiegten sich wie schützend um die Kirche, während auf der Stadtseite eine mächtige bogenüberspannte Freitreppe die Bewohner der Stadt gleichsam einlädt, heraufzukommen ins hohe Gotteshaus. Unser Freund Heinrich Hansjakob schreibt über diese Kirche, daß ihr Barock im Innern das nicht halte, was ihre Gotik im Äußeren verspreche. Woher nun dieser Unterschied? Ein Blick auf die Geschichte von Kirche und Stift ist wohl angebracht. Die hl. Kreuz Kirche wird schon 1282 erwähnt und 1320 um- oder neugebaut. Sie war bis 1387 Filialkirche von Ihlingen. Am 31. Oktober ds. Js. wurde sie vom letzten Grafen von Hohenberg zum Kollegiatstift mit 12 Chorherren erhoben. 1434 muß noch an der Kirche gebaut worden sein, denn damals sind 8 Altäre geweiht worden. 1475 dürften die Erweiterungsbauten an der Stiftskirche beendet gewesen sein. Zu diesem Zweck hatte man an der Westseite einen der oberen Sammlung (Dominikanerinnen) gehörenden Speicher samt Keller abgebrochen. 1486 ist der bisher bei der Kirche und Probstei gelegene Kirchhof in die Unterstadt neben die Johanneskirche verlegt worden.

Das Chorherrenstift entwickelte sich zu einem Geisteszentrum in Süddeutschland. Ihm verdankt Horb eine der ältesten Lateinschulen unserer Gegend. 1468 wurde eine Chorherrenpfründe der Universität Freiburg inkorporiert. Auch zur Universität Basel unterhielten sie recht rege Verbindungen. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts bis zur Säkularisation bestand das Stift aus dem Probst, dem Prediger (diese Predigerstelle stiftete 1471 Erzherzogin Mechthilde von Österreich), ferner 5 Chorherren und dem Pfarrer mit 2 Kaplänen. Bei dem schon wiederholt erwähnten Stadtbrand von 1725 wurden auch die Klostergebäude, die Probstei und die Stiftskirche völlig eingeäschert. Auch der Turm brannte aus, Glocken zerschmolzen und stürzten in den brennenden Turm. Die zahlreichen gotischen Altäre wurden ein Raub der Flammen.
Wie in der ganzen Stadt, so ging man auch hier mit Fleiß und Opferfreudigkeit an den Wiederaufbau. Außer den angrenzenden Klosterbauten war auch die neue Kirche 1729 wieder unter Dach und Fach. 1733 konnten die neuen Altäre geweiht werden. Zur selben Zeit wurden 5 neue Glocken angeschafft. Nach dem Preßburger Frieden war die niedere Grafschaft Hohenberg und damit auch die Stadt Horb von Österreich an Württemberg gekommen. Am 12. Januar 1806 rückten württembergische Truppen (20 Mann Infanterie und 8 Mann Kavallerie) in Horb ein und am 30. Jan. begab sich Kommissär Breitschwert und Syndikus Bäuerle (von Horb) in die Probstei. Nach kurzer Anrede des Kommissärs und „treffend schöner Erwiderung“ des Propstes, nahm der Kommissär von Propst und von Stiftspfleger Schott die Huldigung an Württemberg, die mittels Handtreue geleistet wurde, entgegen. Nachdem so das Stift an Württemberg gekommen war, erfolgte noch im selben Jahr seine Aufhebung. Der letzte Propst, Franz Sales von Vikari, wurde zwangspensioniert. (Sein säulenartiger Grabstein steht auf dem oberen Kirchplatz). Er mußte sich nach einer anderen Wohnung umsehen, desgleichen die älteren Chorherren. Der letzte „Leutepriester“ des Stiftes, Pfarrer Georg Anton Schertlin, wurde als erster Stadtpfarrer hier eingesetzt. Er erhielt zwei Vikare und eine andere Wohnung. Kanoniker Josef Anton Schinzinger, Prof. der Kirchengeschichte in Freiburg, hatte keinen Anspruch auf Pension, da er sich „in auswärtigen Diensten“ befand. Alle übrigen Chorherren wurden auf einzelne freie Pfarrstellen im Lande beordert.
Bei genauer Besichtigung der hl. Kreuz Kirche bemerken wir zunächst, daß von der ursprünglichen Kapelle aus dem 14. Jahrhundert wohl nichts mehr übriggeblieben ist. Die noch erhaltenen gotischen Überreste stammen alle aus dem 15. Jahrhundert. Von dieser spätgotischen Kirche haben sich noch erhalten: die ganze Grundanlage, der breite Chor ohne Strebepfeiler, das schmale Frauenchörlein (Taufkapelle) mit seinen schönen fialenbesetzten Strebepfeilern, der ebenfalls strebepfeilerbesetzte Sakristeibau, der samt seinem darüberliegenden Raum die Fortsetzung des ursprünglichen nördlichen Seitenschiffes bildet. Ferner sind noch vorhanden: die Grundmauern und sämtliche Portale des Langhauses, alle reich profiliert und jedes von anderer Form.
Das Doppelportal gegen Westen, mit seinen kräftigen Rundstäben, Wulsten und Hohlkehlen, die auf originelle Art zusammenlaufen, zeigt so recht die solide, wohldurchdachte Konstruktion der Gotik.
Edelste Spätgotik tritt uns entgegen in dem prachtvollen Doppelportal auf der Südseite. Zierliche Profilierungen, herrliche Krabben, laubwerkgeschmückte Konsolen und reizende Baldachine umrahmen hier wohl den ältesten Kunstgegenstand der Kirche. Ein frühgotisches Bild des Gekreuzigten, vermutlich der einzige Überrest der hl. Kreuz-Kapelle, wurde beim Neubau in pietätvoller Weise als Portal wiederverwendet. Die beiden Figuren Maria und Johannes fehlen seit langem, wie auch das ganze Kunstwerk beim großen Brand Schaden genommen hat.
Bei der Umgestaltung der ausgebrannten Stiftskirche in eine Barock-Kirche, mußte eine Tür des ehemaligen Brautportals zugemauert werden, weil gerade dort ein Pfeiler zu stehen kam. Die bis dahin drei-schiffige Kirche wurde entsprechend der damaligen Kunstrichtung mit den bescheidenen Mitteln der Stadt und des Stiftes als einschiffige Halle mit flacher Stuckdecke wieder hergestellt. Auch in der neuen Form läßt sich der Kirche ein gewisser Zug ins Große und Feierliche nicht absprechen. Die gesamte Inneneinrichtung ersetzten die Chorherren im Barockstil wie Altäre, Kanzel, Chorgestühle und Orgel. Von all der Herrlichkeit hat sich nur die Orgel fast unversehrt erhalten. Diese ist ein vorzügliches Werk aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts; oben der königliche Sänger David mit Harfe und Zepter, daneben vier musizierende Engel, die beste Illustration zu der Inschrift am Abschluß des Orgelvorbaues, der den Spieltisch bedeckt: „chordis et organo“ = mit Saiten und Pfeifen. Beachtenswert sind auch die Gemälde an der Emporebrüstung, die verschiedene Heilige und Szenen aus dem Gottesdienst der Chorherren darstellen. Auf einem Bild, der „Schlüsselübergabe an Petrus“, ist im Hintergrund die Stiftskirche mit Schütteturm samt Ottilienkapelle sichtbar.
Von insgesamt 12 Barockaltären, die sich seit dem Stadtbrand in der Kirche befanden, wurden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nach und nach alle entfernt. Selbst das bedeutsame Werk, der große Barock-Hochaltar mußte weichen zu einer Zeit, die die Kunst der Spätrenaissance und ihrer Nachfolgerinnen, Barock und Rokoko für unkirchlich und unkünstlerisch hielt, die aber zugleich noch nicht imstande war, etwas Ebenbürtiges an deren Stelle zu setzen. Im Chorgewölbe hat sich das alte Deckenbild vorzüglich gehalten. Als Schmuck der hl. Kreuz Kirche stellt es den Triumph des Kreuzes am Ende der Zeiten dar; so wie es im 7. Kap. der Offenbarung Joh. lautet: „Und ich sah einen Engel emporsteigen ...“.
Unmittelbar daneben ist an der Innenseite des Chorbogens das Stifterbild zu sehen, das aber leider nicht mehr so gut erhalten ist. Es zeigt uns den Grafen Rudolf den IV. von Hohenberg, den Stifter des Chorherrenstifts, wie er den Chorherren das Modell der Kirche überreicht. Zu seinen Füßen stehen die Kanoniker und überreichen ihre Beiträge, in der Mitte ist der österreichische und hohenbergische Schild zu sehen, darunter das Chronogramm: „rVDolfVs e stIrpe hohenberg fUnDat sVa parIter ContrIbVVnt IpsI CanonICI“. Das ergibt die Jahreszahl des Gründungsjahres 1387. Zu deutsch lautet die Inschrift: „rudolf vom Stamme Hohenberg gründet (das Stift), das ihrige tragen gleichmäßig bei die Chorherren selber“.
An den Außenwänden der Kirche befinden sich noch eine stattliche Anzahl interessanter Grabsteine. Meist handelt es sich dabei um Gedenksteine einstiger Chorherren. Mit ihren Grabsteininschriften üben sie bei dem aufmerksamen Betrachter heute noch Seelsorge aus. So heißt es bei dem Epitaph des damaligen Stiftspredigers, Magister Michael Herzog: „vive memor lethis“ (lebe ein Gedenk des Todes) und „gedenket, was ich euch gelehrt habe“. Auf dem besonders kunstvollen, aber leider schon verwitterten Grabstein des ehemaligen Propstes, des Herrn Georg Anton Schertlin, lautet die lateinische Grabinschrift zu deutsch etwa: „Hemme deinen Schritt, ich trete ab mein Propstamt, weil ich geh' ins Grab. Ich gebe gerne und jedermann mein Amt nun ab, denn niemand kann dem ungeheuren Tod entfliehen. Er rafft ohn' Ausnahme alle hin“. Unter diesen ergreifenden Versen steht noch die in spürbarem Kontrast gehaltene Notiz: „Am 5. Okt. 1776 hat er aufgehört zu leben“.
Die Gruft der Chorherren unter der Stiftskirche wurde endgültig fest verschlossen, als sich nach der Beisetzung des Kanonikers Bayer im Hochsommer 1697 in der Kirche ein unerträglicher Leichengeruch verbreitete. Leider sind auch die kunstvollen Grabsteine selbst der Vergänglichkeit unterworfen.
Der Kirchenschatz
Die gotische Sakristei, die den großen Brand verhältnismäßig gut überstand, birgt heute noch den wertvollen Kirchenschatz. Verständlicherweise mußten die alten Schränke mit den besonders sinnreich konstruierten Schlössern vor etwa 50 Jahren einem weniger gediegenen aber diebstahlsicheren Panzerschrank weichen. Eine stattliche Anzahl selten schöner Werke der Goldschmiedekunst sind hier versammelt. Das älteste Stück und zugleich das schönste, ist die prachtvolle Monstranz aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Auf kunstvollem Fuße erheben sich 3 reichgegliederte fialengeschmückte Strebepfeiler, die eine schön durchbrochene 6eckige Pyramide mit Maßwerken, Wimpergen und Krabben tragen, während 3 reizende knieende Engel vor dem Allerheiligsten Wache halten. Das nächste Stück, sowohl dem Alter als auch dem Kunstwert nach, ist das Reliquiarium in Kreuzesform. Dieses ist bereits reichste Spätgotik aus dem Ende des 15. Jahrhunderts und zeigt sich in seinen bewunderungswürdig feinen Ornamenten und reichen Gravierungen als ein erstklassiges Werk mittelalterlicher Goldschmiedekunst. Auch ein zierliches spätgotisches Rauchfaß ist hier zu sehen, ferner im Barockstil eine schöne Platte mit 2 silbernen Meßkännchen. Auf der unteren Seite der Platte ist das Wappen des Fürstabtes Blazitus zur Lauben von Thurn (1684 - 1733)
von Muri eingraviert. Ein anderes prächtiges Werk ist die schöne silberne Madonna der Rosenkranzbruderschaft, die mit ihrem feinziselierten Mantel und den herrlich getriebenen Ornamenten am Sockel ein Kabinettstück des Barockstils ist. Ebenso sehenswert ist die große Barockmonstranz, feingetriebene Ornamente, von Edelsteinen unterbrochen, umrahmen das Allerheiligste von einer Krone überragt. Um dies alles zieht sich ein feines Rebengewinde hin mit zierlichen Blättern und Trauben, zuoberst ein edelsteingeschmücktes Kreuz und ringsum goldglänzende Strahlen. Alles in allem, ein wunderbares wirkungsvolles Prachtstück, das seiner Stifterin, der Rosenkranzbruderschaft zu Horb, alle Ehre macht.
Das letzte, was der Kirchenschatz noch birgt, ist ein besonders schöner Kelch mit Meßkännchen und Platte, alles fein getrieben und reich mit Steinen verziert. Diese Kostbarkeiten sind ein Geschenk des berühmtesten Sohnes der Stadt, des Fürstabts Martin Gerbert von Hornau zu St. Blasien, die besagt, daß der Stifter am 12. Aug. 1720 in der hl. Kreuz Kirche zu Horb auf den Namen Franziskus Dominikus Bernardus getauft wurde. Die Inschrift beginnt und schließt mit den Worten: „Misereremini mei, saltem, vos amici mei“ = „erbarmet euch meiner, wenigstens ihr, meine Freunde!“ Wenn sich der gesamte Kirchenschatz durch die Wirrnisse der Jahrhunderte erhalten hat, so ist das in erster Linie den umsichtigen Chorherren zu danken. Bei drohenden Kriegsnöten ließen sie die wertvollsten Stücke in treuer Zusammenarbeit mit den weitbekannten Horber Handelsherren außer Landes bringen. So wurde z.B. 1674 der Kirchenschatz des Stiftes nach Schaffhausen geflüchtet und 1709 durch Antoni Gerbert, dem Vater unseres Fürstabtes von St. Blasien, wieder nach Horb zurückgebracht. Auch bei der Säkularisation des Stiftes um 1806, sind die Schätze durch kluge Nachlaßbestimmungen der Pfarrgemeinde erhalten geblieben. Jedoch gegen Ende des ersten Weltkrieges sind der hiesigen Pfarrgemeinde nach jahrelangem Drängen des württ. Staates die allerschönsten silbernen Meßkännchen für lumpige 12000 Papiermark abgenötigt worden. Diese sog. „Horber Meßkännchen“ sollen ein Geschenk der Erzherzogin Mechthilde, der Mutter des 1445 geborenen Grafen Eberhard im Bart, an das Horber Stift gewesen sein. Der Metallwert dieser erstklassigen Kunstwerke ist sehr gering, ihr Kunst-, Altertums- und Pietätswert dagegen unschätzbar hoch. Und gerade für solche Werte gibt es keinen Ersatz.
Die Krisenfestigkeit solcher Goldschmiedekunstwerke im Wandel des Kunstgeschmackes, sollten auch holzgeschnitzten Kunstwerken anhaften. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden zunächst die 6 Seitenaltäre entfernt (die Altäre an der Nordwand St. Josef, St. Michael und Ölbergaltar, an der Südwand St. Anna, St. Wendelin und Armenseelenaltar). Ebenso ersatzlos wurde auch der Kreuzaltar am Lettner beseitigt. Als erstes lieferte Joh. Nep. Meintel 1868 eine Kanzel im neuen Stil und 1869 folgten die beiden Seitenaltäre St. Nepomuk und St. Sebastian, sowie der Marienaltar im Frauenchörle. Nach einer längeren Pause, wohl durch Meintels Tod, wurde auch der schöne Barock-Hochaltar ein Opfer der damaligen Anschauungen der Kunstgelehrten. Was für ein bedeutsames Werk der Hochaltar war, beweisen außer dem Altarblatt auch die beiden noch erhaltenen Statuen St. Helena und Kaiser Konstantin. Natürlich wäre es sinnvoller gewesen, all diese Werke zu restaurieren, anstatt zu entfernen, doch zu allen Zeiten werden bisweilen Kunstsünden begangen. 1879 lieferte die Altarbauerei Hausch und Bayer einen neuen Hochaltar im romanisch-gotisch-byzantinischen Stil, der mehr nach vorne gegen die vordere Chorwand gerückt wurde. Inzwischen war die Kommunionbank vom Chorbogen weg nach oben vor die Chorstühle versetzt. 1903 wurden die beiden Chororgeln aus der Nordwand der Taufkapelle entfernt und damit ein weiteres Stück alter Stiftserinnerungen vernichtet. Frl. Albertine Haffner, eine Schwester Bischof Haffners von Mainz, stiftete 1904 die Kreuzwegstationen, die Anton Leins geschaffen hat. Im selben Jahr wurde die nördliche Seitenkapelle neu gestaltet. Der bis dahin finstere und feuchte Raum ist seitdem mit neuem Dach und mit einem gotischen Netzgewölbe aus Lattengerüst und Gips versehen. Als Krönung des Ganzen lieferte Pius Hausch den stilechten Flügelaltar mit einer sehr schönen Pietagruppe. Die Reliefs der beiden Altarflügel zeigen die Darstellung Jesu im Tempel und die Flucht nach Ägypten. Auf den Rückseiten der Altarflügel ist die Szene, wie der Auferstandene seiner Mutter begegnet, dargestellt. Im Hintergrund sieht man die Stadt Horb von der Froschgasse aus, in bestechender Natürlichkeit gemalt.
Noch unter Stadtpfarrer Alois Stahl (1900 - 1918 in Horb) stiftete „die Jungfrau Agathe Gräter“ einen neuen Josefaltar. Die Vermutung, daß dieser Altar für eine vorgesehene Friedhofskapelle war, ist irrig. Niemand baut einen Altar, ehe die Kirche steht. Dieser Josefsaltar sollte ein Ersatz für den entfernten Barockaltar sein. Er ist deshalb auch speziell für die engen Platzverhältnisse am Kanzelpfeiler konstruiert worden. Außerdem sollte er (damals noch insgeheim) der erste Schritt zur Neu- bzw. Rebarockisierung der Stiftskirche sein. Aus diesem Grunde handelt es sich hier wieder um einen Barockaltar. Der zweite Schritt in Richtung „Stiftskirche zurück zum Barock“, war der große Beichtstuhl mit dem „guten Hirten“, den Bildhauer W. Klink für Dekan Daub schuf. Ein Gegenstück dazu in gleicher Ausführung mit einer Büste des hl. Nepomuk, kam nicht zustande. Dennoch war Dekan Daub bestrebt, die noch vorhandenen Teile des alten Hochaltars zurückzuerwerben. So kaufte er mit Klingelbeutelerträgen die schon erwähnten Hauptfiguren „Helena“ und „Konstantin“, sowie die Statue des „hl. Karl Borromäus“ zurück und ließ diese, nach gründlicher Restaurierung durch W. Klink in der Stiftskirche wieder aufstellen. Das noch fehlende Gegenstück, die große Nepomukstatue, mußte weiterhin draußen am Stuben'schen Schlößle bleiben. In nächster Nachbarschaft, im Heimatmuseum Hoher Giebel befinden sich schon jahrzehntelang zwei wohlgestaltete Putten, als Leihgaben der Kath. Kirchen- und Hospitalpflege. Auch sie hatten vordem am Barockaltar wenigstens optisch zum Lobe Gottes beigetragen.
Wie das Kircheninnere, so hatte auch der Glockenturm und sein Geläute den Wandel und die Schicksalsschläge der Jahrhunderte zu überstehen. Nach dem großen Brand wechselte seine Turmspitze von Gotik zur jetzigen Barockform. Durch die Spendefreudigkeit der Horber Bürger erhielt er bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wieder ein stattliches Geläute von 8 Glocken. Kurze Zeit später, im ersten Weltkrieg, sind 4 davon beschlagnahmt und angeblich zu Geschützrohren umgeschmolzen worden. Die restlichen 4 Glocken wurden im 2. Weltkrieg auch noch abtransportiert. Die „große Glocke“ und die sog. „alte“ oder „Marienglocke“ hatten erfreulicherweise das Kriegsende außerhalb des Schmelzofens erlebt. In feierlichem Zuge konnten sie 1948 zur Kirche zurückgeleitet werden. Ums Jahr 1951 erhielt Horb zwei neue und wenig später zwei weitere Glocken, so daß das nun elektrifizierte Geläute der Stiftskirche aus 6 Glocken besteht.
Inzwischen hatten sich im Kircheninnern so viele „Zutaten“ und Stilarten angesammelt, daß die ursprüngliche Wirkung des großen, weiten Kirchensaales nicht mehr voll zur Geltung kam. Dies wieder zu erreichen, war das Hauptziel des Kirchenstiftungsrates, als er am 16.10.1956 eine durchgreifende Renovierung der Stiftskirche beschloß. Mit dieser nicht ganz leichten Aufgabe, bei der Modernes mit Altem in Einklang zu bringen war, wurde Dipl.-Ing. Olga Knecht beauftragt, die ihre Aufgabe mit viel Einfühlungsvermögen leistete. Der Josefsaltar fand in der nördlichen Seitenkapelle Aufstellung. In dieser Andachtsecke sind zwei schöne Werke der Horber Bildhauer erhalten geblieben. Beide Altäre sind in der Altarbauerei Pius Hausch entstanden, sie sind Gemeinschaftsleistungen von W. Klink (Architektur und figürliche Plastik) und Franz Hausch (Ornamentik).
Die von A. Leins geschaffenen Kreuzwegstationen sind sehr zu ihrem Vorteil von den überreich profilierten Umrahmungen befreit und als Hochreliefs in neugeschaffene Wandnischen verbracht worden. Die alte Kanzel mußte einer neuen aus Kunststein weichen, deren Brüstung die Evangelistensymbole in Flachrelief zeigt. Die neue schmiedeeiserne Kommunionbank fand wieder am alten Platz unter dem Chorbogen Aufstellung.
Der neue Hochaltar, eine einfache steinerne Mensa mit großer eindrucksvoller Altarplatte, steht auf einem vierseitigen, weitausladenden Stufenberg, etwa an der Stelle, an der einst der alte Barockaltar gestanden hatte. Das große guterhaltene Bild (Kreuzerfindung) dieses Altares ist nun wieder an seinen alten Platz zurückgekommen, nachdem es ca. 100 Jahre lang fast unbeachtet an der Nordwand der Taufkapelle gehangen hatte. Von hier aus beherrscht es geradezu den großen freien Kirchensaal. Somit dürfte der Bauleitung der Restaurierungsauftrag voll gelungen sein. Darüber hinaus hat die Stiftskirche noch zwei bedeutsame Bereicherungen erfahren. Als erstes, das große schmiedeeiserne drehbare Lesepult, ein sehr eindrucksvolles Kunstschmiedewerk aus der Barockzeit. Einst hatte es den Chorherren und bisweilen auch den Franziskanern in Liebfrauen bei Gottesdiensten und Stundengebeten gedient.
Die Horber Madonna
Als zweite Bereicherung erhielt die Stiftskirche eine wertvolle gotische Madonna aus der Liebfrauenkirche; die 1,46 m hohe Statue aus weißem Kalkstein, ist ein besonders schönes Stück aus der Zeit um 1440. Dennoch hat auch dieses Kunstwerk einige Modeschwankungen erdulden müssen. So soll diese gotische Steinplastik bis etwa 1880 wie ein Holzschnitzwerk aus Barockzeit grundiert und bemalt auf dem Marienaltar der hochgotischen Liebfrauenkapelle gestanden haben. Als auch dieser Altar in der Antibarockzeit weichen mußte, wurde das mehrere Zentner schwere Bild ins Steinhaus hinüber geschafft, wo es unter Gerümpel und Ackergerät völlig in Vergessenheit geriet. Durch Zufall entdeckte W. Klink am 27. Aug. 1917 die stark beschädigten Fragmente dieses Bildwerkes. Damals, im Spitalhof beschäftigte kriegsgefangene Russen, halfen beim Transport der schweren Teile in die Altertumssammlung. Die herbeigerufenen Kunstsachverständigen waren sich im Urteil einig, wonach die Figur „zum allerbesten gehört, was unsere Gegend bietet“. Unter dem Namen „Horber Madonna“ ging sie in die Kunstgeschichte des Landes ein. Erst 20 Jahre später kam das schöne Werk nach gründlicher Restaurierung in Ulm wieder in die Liebfrauenkapelle zurück und 1957 hierher. Das Antlitz der Madonna ist von besonders hoher Schönheit. In anmutiger Haltung trägt sie auf der linken Hand das sitzende Kind, dessen Rechte nach einem Apfel greift, den ihm die Mutter reicht. Der Mantel ist reich gefaltet. Das Unterkleid wird von einem breiten Gürtel gehalten und legt sich in schweren Falten breit auf die hohe Plinthe. Auf dieser ist vorne ein Steinmetzzeichen eingehauen. Dieses Meisterzeichen, ein von einem Kreuz durchschnittenes großes W findet sich auch am Ulmer Münster und in der Stiftskirche zu Tübingen. Mehr wissen wir von dem begnadeten Künstler nicht. Je mehr sich aber die Vermutung erhärtet, der große Bildhauer Veit Stoß sei ein gebürtiger Horber, um so lieber wird die Horber Madonna mit ihm bzw. seiner Schule in Verbindung gebracht.
Dominikanerkloster
Wer die Stiftskirche durch das Westportal verläßt, steht unmittelbar vor dem Gebäude des ehemaligen Dominikanerinnenklosters. Nach der Überlieferung schlossen sich hier drei Gräfinnen von Tübingen, Eberstein und Hohenberg zu klösterlichem Leben zusammen, 1218 erbauten sie sich an dieser Stelle ein Kloster und nahmen 1235 die Ordensregel des hl. Dominikus an. Das Horber Dominikanerinnenkloster zählt somit zu einem der ältesten dieser Art in Deutschland. Urkundlich genannt wird es erstmals 1276, als Papst Innozenz V. die Schwestern in Horb dem Dominikaner-Orden einverleibt. Mit großer Wahrscheinlichkeit brachte schon eine der Gründerdamen das schöne kleine Pietà Bild mit, das ihrer Hauskapelle den Namen gab. Diese war der „schmerzhaften und wundertätigen Muttergottes“ geweiht. Dieses Andachtsbild ist nach einer wechselvollen Geschichte heute noch in der Liebfrauenkapelle zu sehen. Rund 600 Jahre lang lebten hier meist 15 Klosterfrauen nach der Ordensregel und unter Leitung einer selbstgewählten Priorin in aller Stille zusammen. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie durch Eigenarbeit in Haus- und Landwirtschaft, vor allem aber mit einer sehr geschätzten Paramentenstickerei und einer Mädchenschule, sowie aus dem Beibringen der einzelnen Schwestern. 1725 störte auch hier der große Stadtbrand den friedlichen Alltag. Wie die Schwestern berichteten, blieb von ihrem ganzen Klostergebäude nur „ein Karren voll Holz und Asche“ übrig. Ihr Hausheiligtum, die kleine Pietà, hatten sie aus den Flammen gerettet. Über zwei Jahre lang mußten die obdachlosen Dominikanerinnen im nahen Franziskanerinnenkloster das Gastrecht in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit zogen einige Schwestern auf Bettelreise, die ihnen der Kaiser in den österreichischen Gebieten gestattet hatte. Offenbar war dieses Unternehmen ein voller Erfolg, denn trotz eines Baustopps, den der Obervogt auf Betreiben vom Propst mehrere Monate einlegte, war der Neubau bald vollendet. Von dem restlichen Guthaben konnten die Dominikanerinnen noch den „Buchhof“ erwerben. Heute noch ist auf dem Schlußstein des rundbogigen Hauptportales zu lesen: „Anno 1726 das Kloster erbaut“. Die Dominikanerinnen von der „oberen oder weißen Sammlung“, wie diese nach der Lage des Klosters oder nach dem weißen Ordenskleid genannt wurden, waren in Horb sehr angesehen und geschätzt. Aus diesem Grunde hatte die Stadtverwaltung nach der Säkularisation intensiv aber vergeblich gegen die Auflösung interveniert. Am 1.8.1807 mußten die Ordensfrauen das Haus verlassen und dem Königl. Württ. Oberamt samt Oberamtmann Platz machen. Vier der insgesamt 13 Nonnen, die bei keinen Angehörigen unterkommen konnten, mieteten sich in der Stadt ein und lebten weiterhin nach der Ordensregel und im Ordenskleid, bis ihnen auch dies strikte untersagt wurde. Außer ihren Privatsachen durften sie nur die kleine Pietà mitnehmen. Als letzte Dominikanerin in Horb starb Theresia Klinglerin am 10.1.1837. Das Klostergebäude selbst bewahrte sein Äußeres bis auf den heutigen Tag. Lediglich das kleine Türmle mit dem Zwiebeldach und der rundum geschlossene brückenartige Zugang zum Oratorium auf der Sängerempore der Stiftskirche und der des Franziskanerinnenklosters, sind am 3.5.1852 durch Zimmermann Hausch abgebrochen worden.

In der ausgeräumten Klosterkapelle ist in halber Höhe ein Zwischenboden eingezogen worden. Die obere Hälfte mit der spätbarocken Stuckdecke fand fortan als Bezirkssaal bzw. Registratur Verwendung. Die untere Hälfte der Kapelle wurde im nördlichen Teil zum Pferdestall und südlich zu einem Holzstall degradiert. Hier ist auch die Stelle, an der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der alte Pflästerer und Holzspälter Ventur Breunig mit Axt und Spaltklotz durch das Gewölbe in die schon vergessene Nonnengruft hineinbrach. Inzwischen ist wieder etwas Ruhe eingekehrt im Klostergebäude. Dem Amtmann folgte das Landratsamt und diesem das Finanzamt als Bewohner. Heute ist das ehemalige Klostergebäude im Besitz der Stadt Horb, und aus dem Finanzamt ist eine Nebenstelle des Finanzamtes Freudenstadt geworden. Als neuester Insasse kam unlängst das städt. Archiv hinzu.
Franziskanerinnen-Kloster
Am oberen Ende des Marktplatzes, wo sich Bußgasse und Oberamteigasse finden, stand einst das zweiflügelige Franziskanerinnen-Kloster, das auch „mittlere oder graue Sammlung“ genannt wurde. Bisweilen ist hier auch vom Kloster St. Josef die Rede, dessen Bild die grauen Schwestern in ihrem Siegel führten. Ihm war auch die Klosterkapelle geweiht. Dieses Kloster wird am 21. Juli 1293 erstmals genannt. Es muß aber schon lange vorher dagewesen sein und befand sich ursprünglich irgendwo in der Unterstadt. 1408 bauten die Franziskanerinnen ihr Kloster in der Nähe der Stiftskirche, weil der Weg zur Kirche vordem „etwas weit, steil und schlecht“ war. Den Nachrichten zufolge, verkaufte Johann Esellast 1412 sein Haus „bei der Stiftskirch“ um 135 Gulden. 1549 verkaufte das Chorherrenstift dem Kloster einen Platz, auf dem es sich weiter ausdehnen konnte. Vermutlich entstand so der Südteil dieses Klosters mit dem Durchgang vom Marktplatz zur Bußgasse (später von den Horbern Ritterbogen genannt). Nachdem im 30jährigen Krieg die Klöster sehr gelitten hatten, wurden die Franziskanerinnen der unteren Sammlung, die von Nordstetten und von Eutingen mit den Horbern vereinigt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren noch etwa 10 Schwestern im Kloster bei der Stiftskirche. Weil die Franziskaner zu den beschaulichen Orden zählten, fiel die mittlere Sammlung schon dem Josephinischen Klostersturm zum Opfer, obwohl die hiesigen grauen Schwestern gebeten hatten, wenigstens hier in ihrem Kloster aussterben zu dürfen.
Am 9. Juli übergab der Kommissär das hl. Ölgefäß, den Tabernakel und die Kirchenschlüssel dem Stiftsprediger Epple, weil das Stift in Abwesenheit der Schwestern die Klosterkapelle besorgen sollte. Darauf wurde die Klosterpforte geschlossen und wieder geöffnet und erklärt, daß die Klausur und das Kloster aufhören und das Haus ein weltliches sei. Der Kommissär übernahm dann die Schlüssel und versicherte, dem bischöflichen Kommissär, nicht nur das Haus, sondern auch die Temporalien, d.h. zeitlichen Güter zum Nutzen der vereinigten Klöster zu verwalten. Faber sprach noch den Wunsch aus, daß beim Verkauf der Gebäude die Horber Klöster oder Stiftungen das Vorkaufsrecht haben möchten. Am 14. Juli ging es dann von Horb ab. Das leergewordene Klostergebäude der mittleren Sammlung kaufte dann das hiesige Chorherrenstift dem österreichischen Staat für 2800 fl ab. Wenige Jahre später, 1806 bei Aufhebung des Stiftes nahm es der württ. Staat an sich. Das nördliche Seitengebäude kaufte s. Zt. der Chirurge Lederer. Dieses große imposante Fachwerkhaus hat sein Äußeres bis heute erhalten und wird immer noch „das Kloster“ genannt. Der südliche Gebäudeteil gelangte in den Besitz des Stadtmühlepächters Martin Raible, der eine Bierbrauerei und Wirtschaft „zum Ritter“ einrichtete. 1845 hat ein 15jähriger Lehrbub der Brauerei aus Heimweh das Gebäude in Brand gesteckt. Er hoffte, auf diese Weise wieder nach Hause kommen zu können. Kaum hatte er jedoch den Brand gelegt, soll er Angst bekommen haben und lautrufend über den Marktplatz gesprungen sein: „Der Ritter brennt, der Ritter brennt, aber i habs net do“. Nach dem Wiederaufbau ist der Ritter 1909 ein zweites Mal eingeäschert worden. Daraufhin ließ man den Platz einebnen. Inzwischen ist er durch Kauf wieder in kirchlichen Besitz gekommen.
Bevor wir nun in die Bußgasse einschwenken, wollen wir noch kurz nach dem „Schüttetörle“ oberhalb der Weinstube „Buß“ schauen. Dieses kleine Tor läßt sich nicht mit den anderen Stadt-Toren vergleichen. Zu der Zeit, als diese großen festen Tore zur Verteidigung der Stadt gebraucht wurden, gab es wahrscheinlich noch kein Schüttetörle, denn es war lediglich als Passagemöglichkeit zum Schütteturm in der langen Schutzmauer vom äußeren Ihlinger Tor bis zum Altheimer Tor gedacht. Fest steht, daß es etwa von 1830 bis 1913 überhaupt kein Schüttetörle gab. Erst als, wie schon erwähnt die schönen Rundbogensteinquader vom Talhaus übrig wurden, ließ der damalige Altertumsverein unter der Bauleitung von W. Klink wieder ein Schüttetörle erbauen. Im Hinblick auf die Ottilienkapelle malte W. Klink noch ein Bild der hl. Ottilie an die Innenseite über den Torbogen. So war auf recht idyllische Weise die dortige Lücke zwischen den Resten der Burganlage und dem malerischen Blöchlehaus, neben dem eindrucksvoll hohen Fachwerkhaus des Kaminfegers Eder, geschlossen. Wenn aber unsere Väter, die damals am 10. Juli 1913 die Übergabe des wohlgelungenen Schüttetörle an die Stadt im „Buß“ feierten, heute die inzwischen vollzogenen Terrainveränderungen sehen könnten, würden sie sicher über diesen Schwabenstreich heftig schimpfen oder herzhaft lachen. Wo in aller Welt gräbt man einem so hübschen Tor den Zugang ab!
Wer die Bußgasse hinuntergeht, der hat immer wieder Gelegenheit, die Reste der langen Ringmauer am jenseitigen Hang des Tales zu betrachten. Besonders der zweite noch erhaltene Rundturm mit dem lebensgroß aufgemalten Ritter, gibt von hier aus ein sehr schönes Bild. Ein jugendlicher Ritter auf galoppierendem Pferd ist hier dargestellt. In gotischer Rüstung, mit federngeschmücktem Helm, hält er in der Rechten eine Lanze und mit der Linken die Tartsche. Unter dem Pferd liest man auf einem Band in gotischen Ziffern die Jahreszahl 1480.
Bei der Einmündung der Bußgasse in die Altheimer Straße zieht der dritte Renaissance-Brunnen der Stadt die Aufmerksamkeit auf sich. Der große Leonhardsbrunnen stammt, einem Anniversar vom Ende des 15. Jahrhunderts zufolge, aus dem Jahre 1480. Die mit Akanthuslaub gezierte Brunnensäule wird auch hier von tanzenden Putten umringt. Leider ist nicht überliefert, welche Brunnenfigur das meisterhaft geschaffene Kapitell einst trug. Bei der großen Restaurierung des stark beschädigten Brunnens in den Jahren 1931 - 1932 schuf W. Klink als neue Brunnenfigur eine Darstellung des hl. Leonhard. Warum es gerade der Patron der Pferde- und Viehhalter sein sollte, war wohl naheliegend und wurde noch überdies in einer Inschrift um die Figurenplinthe begründet. Diese lautete als sie noch lesbar war: „St. Leonhard, der hl. Abt, hat lang ein Kirchlein hier gehabt. Daß Horb dies in Erinnerung hält, hat man sein Bild hier aufgestellt.“
Nach der ehemaligen Leonhards-Kirche braucht man nicht weit suchen. Gleich gegenüber in dem spitzen Winkel, den Bußgasse und Altheimer Straße zusammen bilden, steht heute noch ein Wohnhaus, dessen Ostgiebel im offenen Achteck gebaut ist und das schlank und steil aufragende Dach verraten ohne weiteres den früheren Kapellenbau. Wenn man sich statt der zahlreichen Fenster vier durchgehende Spitzbogenfenster vorstellt und auf dem obersten Dachfirst über dem Westgiebel einen spitzen schlanken Dachreiter als Glockentürmle hinzudenkt, dann ist die St. Leonhardskapelle fertig. Sehr hübsch paßte sie einst mit der Stiftskirche und dem Schurkenturm im Hintergrund an diese abschüssige Straßenecke. Bevor dieses „Talkirchle“ wie die Horber zu sagen pflegten, 1510 erbaut wurde, stand lange vorher an dieser Stelle ein Leonhardskirchle, ganz allein und ohne jede Besiedelung des oberen Grabenbachtales. In einer Urkunde im Spitalarchiv wird sie noch 1494 erwähnt. Wie für St. Johann, so bestand auch hier eine eigene Kaplanei mit regelmäßigen Gottesdiensten. Im Jahr 1506 gab König Maximilian seine Zustimmung, daß die Stadt Horb ein „ewige Messe“ in der Kapelle St. Leonhard stifte. Bürgermeister und Rat erhielten das Recht, die Kaplaneistelle zu verleihen. Am 30. Dezember 1789 verfügte das Obervogtamt Rottenburg auf Befehl der KuK-Regierung, daß die „entbehrlichen Kapellen in Horb“ (St. Michael, St. Leonhard und St. Ottilia) geschlossen werden. Proteste, Eingaben und Bitten zögerten den Vollzug dieses Befehls noch etwas hinaus, als aber Horb 1806 zu Württemberg gekommen war, wurde aus der St. Leonhardskapelle das Gasthaus „zum Anker“. Da die Stadt zu jener Zeit etwa 10 mal soviel Gasthäuser wie Kapellen aufzuweisen hatte, macht der „Anker“ bald wieder zu. Daraufhin etablierte sich hier die lithographische Druckerei Schott, später Möst. Hier bei Schott war die erste Lehr- und Arbeitsstelle für den bekannten Genremaler Caspar Kaltenmoser als Grafiker und Zeichner. Sein Geburts- und Elternhaus steht heute noch in der Nähe, das Gasthaus „zum Wilden Mann“.

Ein paar Schritte entfernt, am Stadtausgang, stand früher das Altheimer Tor. Reste der zu beiden Seiten des Tales angrenzenden Stadtmauer sind heute noch erhalten und erst in diesen Tagen stilecht saniert worden. Auch das alte Torwächterhäuschen steht noch. Es war durch eine eigene Mauer mit Vortor geschützt und dem großen Haupt-Tor vorgelagert. Das eigentliche Tor mit seinem Fachwerkstock glich ganz den übrigen Stadt-Toren. Das Altheimer Tor stammt noch aus dem 15. Jahrhundert und ist bei der dilenischen Aktion 1836 abgebrochen worden. Der „Grabenbachdurchlaß“ dicht daneben, ist noch zum großen Teil erhalten. Natürlich war auch der mit einem Wehrgang versehen und das große Eisengitter konnte, z.B. bei Hochwasser, hochgezogen werden. In großen Abstufungen zog sich die Stadtmauer an beiden Talseiten bis zu den flankierenden Rundtürmen hoch. Die ganze Anlage mit der Stadt im Hintergrund, muß recht eindrucksvoll gewesen sein. Der nördliche Rundturm ist noch vollständig erhalten, während vom südl. Turm nur noch die Grundmauern zu sehen sind. Aus diesem Turm heraus hatte ein junger Mann bei den Franzosendurchmärschen im 18. Jahrhundert auf einen reitenden Offizier geschossen. Obwohl er nur dessen Pferd getroffen hatte, mußte die Stadt für diesen Schuß 8000 fl Sonderkontribution bezahlen. Die intensive Suchaktion der Franzosen blieb ohne Erfolg, denn der Schütze hielt sich in einer der dortigen Brunnenstuben einige Tage lang versteckt. Das alte Haus, das außerhalb der Stadtmauer angebaut ist, hat mit der Stadtbefestigungsanlage nichts zu tun. Hier handelt es sich um das Bräuhaus, das der frühere „Lindenwirt“ Lindacher 1840 erbauen ließ.

Der Schütteturm
Hier ist eigentlich der Rundgang durch die Stadt beendet, jedoch wäre eine historische Führung unvollständig, ohne dem Wahrzeichen der Stadt, dem „Schütteturm“ einen Besuch abgestattet zu haben. Mehrere Fuß- und Fahrwege führen nach oben. Der vorderste geht dem früheren Stationenweg entlang. Hier wurden 1856 aus Buntsandstein gehauene Kreuzwegstationen erstellt. Die Bilder hierzu malte Joh. Nep. Meintel. Leider wurden diese Andachtsbilder während des Dritten Reiches und in der Nachkriegszeit so oft beschädigt, daß die Kirchenpflege die zahlreichen Restaurierungen einstellte. Einer der Fahrwege führt vorbei am idyllischen Josefskäppele, am Schüttehof und an der früheren Waldbühne. Die Bezeichnung „Schütte“ ist unklar. Die meisten Heimatforscher deuten diesen Namen mit Boden- oder Fruchtaufschüttung. Weniger unklar ist die Vermutung, wonach hier einmal ein römisches Kastell gewesen sein soll. Fest steht dagegen, daß der Schütteturm 1422 auf Betreiben der Reichsstadt Ulm erbaut worden ist. Nachdem das Haus Habsburg damals in Zahlungsschwierigkeiten geraten war, verpfändeten die Habsburger die Grafschaft Hohenberg von 1410 bis 1454 an die Freien Reichsstädte, die s. Zt. gegen den Zollerngrafen in Fehde lagen, weil dieser „mit fortwährenden Einfällen die Gegend beunruhigte“. Dieser aufgezwungenen Kriegsteilnahme verdankt Horb sein Wahrzeichen, den Schütteturm. In der Tat, von diesem Wachturm aus läßt sich das damalige „Kriegsgebiet“ einschließlich der Hohenzollernburg vorzüglich beobachten. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts blieb der Beobachtungsturm in unruhigen Zeiten und bei Feuersbrunstgefahr ständig besetzt. Erst um die letzte Jahrhundertwende ist der Turm auf Betreiben des Horber Verschönerungsvereins vor weiterem Zerfall gerettet und zu einem Aussichtsturm eingerichtet worden. Selbstverständlich konnte man nun in einer „so friedlichen Zeit“ auf einen hochgelegenen Zugang mit einziehbarer Leiter verzichten und statt dessen solide Steinstufen aufführen. Ein ordentliches Fernrohr, das 1945 die Besatzer konfiszierten, ermöglichte die Beobachtung der Umgebung bis zum Steilabfall der Schwäbischen Alb. Zur Zeit ist man daran, den Schütteturm wieder begehbar zu machen. Ob man aber wieder einen solch idealen Turmwächter, wie den alten Herrn Votteler finden wird, ist mehr als fraglich. Mit großer Hingabe und Pünktlichkeit hatte Votteler bis zu seinem Tode den Turmwächterdienst versehen. Von diesem Turm aus hat man auch einen schönen Ausblick auf das neue Horb, die neuen Straßen und Brücken, die breiten Ansiedlungen auf den Neckarwiesen talaufwärts. An der Nordstetter Steige treffen Horb und Nordstetten bald zusammen, dasselbe gilt ebenso für Bildechingen und der Hohenberg-Siedlung. Die Ausdehnung des Industriegebietes hat die Plätze der ehemaligen Weiler Hardt und Faulstett überrundet und nähert sich beachtlich den Stadtteilen Ober- und Untertalheim. Aber auch die Schütte selber hat durch Sportplätze und Jugendherberge Zuzug erhalten. Selbst in unmittelbarer Nähe des Schütteturms ist wie als Konkurrenz-Unternehmen ein Fernsehumsetzer errichtet worden.


All dessen ungeachtet „träumt“ das „Schüttekirchle“ still vor sich hin, als ob es sich von seiner wechselvollen Geschichte ausruhen möchte. Wann diese Kapelle erstmals erbaut und der Schutzpatronin für Augenleidende, der hl. Ottilie, geweiht wurde, ist nicht mehr genau festzustellen. Der älteste Zeuge ihres Alters ist die erst 1935 freigelegte Jahreszahl über dem Kapelleneingang. Dort steht in gotischen Ziffern 1431 VET: die letzten drei Buchstaben sind zu ergänzen in VETUS, also stammt das alte Kirchle von 1431. Das Gegenstück dieser Inschrift findet sich außen im Ostgiebel an dem zugemauerten großen Fenster. Hier kann man noch ein Steinmetzzeichen „A“ mit einem aufgesetzten Kreuz und die erste Hälfte einer Jahreszahl erkennen. Nach den „Holl-Regesten“ ist diese als 1586 zu lesen. Darunter in der Fensterbank ist das lateinische Wort „NOVI“ (die neue) eingehauen. Wohl, weil diese Kapelle im 30jährigen Krieg Schaden gelitten hatte, mußte sie 1670 neu geweiht werden. Alsbald entwickelte sich die Ottilienkapelle zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort und erhielt ein größeres Langhaus angebaut, wie das auch alte Stadtansichten heute noch bestätigen. In den Jahren der „Aufklärungszeit“, gegen Ende des 18. Jahrhunderts ging die österreichische Regierung unter Joseph dem II. energisch gegen das Wallfahrtswesen vor. Am 30.12.1789 wurde auch das Schüttekirchle für „entbehrlich“ erklärt und geschlossen. Das Langhaus wurde abgebrochen und der Glockenturm entfernt, den ausgeräumten Chorraum hat man sich selbst überlassen. Erst 1851 ist die Schüttekapelle wieder aufgebaut worden. Die heutige Ottilienkapelle ist also der Chorraum der ehemaligen Wallfahrtskirche. Das Deckenbild stammt von Joh. Nep. Meintel, der wohl auch einen aus der Stiftskirche entfernten Seitenaltar für diese Kapelle zurechtstutzte. In den neuen Dachreiter aus Eichenholz kam eine kleine Glocke aus der soeben abgebrochenen St. Johanneskirche. Am 1. Sept. 1853 hat Dekan Holl das neu hergerichtete Kirchle rekonziliert und darin die erste hl. Messe gelesen. Während des Dritten Reiches erlebte das abgelegene Kapellchen einen stets wachsenden Zustrom, insbesondere durch die katholische Pfarrjugend. Eine weitere Renovierung im Frühjahr 1935 schien angebracht. Kunstmaler W. Klink schuf ein neues Altarbild mit der „Dreimal wunderbaren Mutter von Schönstatt“. In den beiden unteren Ecken dieses Altarblattes sind recht wirklichkeitsgetreu die Kapelle von Schönstatt, dem geistigen Mittelpunkt der weltweiten Schönstattbewegung und der Horber Schütteturm mit der Ottilienkapelle zu sehen. Bei dieser Renovierung erhielt der Altar auch wieder stilechte Barockornamente. Natürlich kamen nicht nur fromme Beter zu der Kapelle hoch, sondern auch Altertumsdiebe suchten bisweilen das stille Bergkirchlein heim. In den 20er Jahren hatte sich sogar ein berufsmäßiger Einbrecher auf dem Dachboden für mehrere Tage einen Unterschlupf mit Diebesgut aus der Gegend eingerichtet. Jedoch konnten fast alle entwendeten Kunstgegenstände wiederbeschafft werden. Auch die im Mai 1974 gestohlene Statue der hl. Ottilie stellte die Polizei im Oktober desselben Jahres in Gütersloh sicher. Nachdem die gefährdeten Kunstgegenstände aus Sicherheitsgründen entfernt wurden, ist es im Schüttekirchle recht leer geworden.
Draußen vor der Kapelle, bei der massiven Steinbank, müssen wir unsere historische Stadtführung nun endlich beenden. Der alte Bürgermeister Bernhard Bub, dessen Grabstein neben der Steinbank steht, hätte uns sicherlich noch einiges mehr zu sagen und zu berichten.
Mögen diese Ausführungen dennoch dazu beitragen, daß diese idyllische Schwarzwaldstadt am oberen Neckar uns allen ein Stückle mehr Heimat werde.
Quellen-Nachweis
Anstelle eines üblichen Quellen-Nachweises ist hier dem am 2.4.1952 in Horb verstorbenen Heimatkundler Bildhauer und Kunstmaler Wilhelm Klink zu danken, der ein Leben lang völlig selbstlos Heimatkunde betrieben und gelehrt hat. Ferner hinterließ er eine Anzahl Skizzen, Notizen und Beschreibungen. Ohne diese Unterlagen wären die vorstehenden Schilderungen kaum zustande gekommen.
Drei Generationen Klink
- Wilhelm Klink (1874–1952)Der Vater des Verfassers. Bildhauer, Kunstmaler und Heimatforscher in Horb, Schöpfer des Horber Bilderbuchs an der Rathausfassade.
- Albrecht Klink, VitaDer Sohn des Verfassers. Bildhauer in Berlin und im Hohen Fläming.
- Holz, Material, Geschichte und DialogAlbrecht Klink über die Arbeit am Holz.